Uraufführung in Kassel

Kassel, Mitte Oktober.

Das Publikum liebt die Operette, aber was am meisten fehlt, ist ein Libretto, das nicht immer nur von Liebe und romanhafter Eifersucht, trautem Glück und Walzerseligkeit trieft. W. Beckmeier hat den Flug der Amerikabräute von Frankfurt aus über den großen Teich zum Anlaß seiner Story genommen und ein prachtvoll echtes Operettenmilieu daraus gewonnen. Seine einprägsame und rhythmisch sehr lebendige Musik zündet; Rumba, Samba, Fox und Blues haben ihren rechten Platz zwischen sehnsuchtsvollen Mississippi-Songs und schwingenden Walzern. Die Sentimentalität fehlt zwar nicht, doch versteht Beckmeier, sie stets im rechten Augenblick in ein ausgelassenes, befreiendes Lachen ausklingen zu lassen.

Das Staatstheater in Kassel hatte seine besten Opern- und Operettenkräfte herausgestellt. Und Erich Döhlers Bühnenbild hatte einen wesentlichen Anteil am Erfolg. Was hier mit einfachen Mitteln auf der Behelfsbühne durch Prospekte, Ringkulissen, Beleuchtungseffekte hervorgezaubert wurde, war frappierend. Der junge Hans Joachim Wunderlich brachte vom Dirigentenpult aus Schwung in die Geschichte, und das seriöse Staatsorchester fand sich mit dem Rumba genau so gut ab wie am Vorabend mit dem Tannhäuser. Der stürmische Beifall zeigte, daß Beckmeier in Musik und Dialog den richtigen Ton getroffen hatte. Bernd Müllmann.