Der Wahlkampf war traurig. Die Wahl verlief ruhig. Das Ergebnis ist dieses: Hamburg bleibt „rosa“, auch wenn sich stimmen- und mandatsmäßig ein leichter Rechtsruck abzeichnete. Die Bürgerschaftswahlen des letzten Sonntags haben die SPD mit einer – allerdings geschwächten – absoluten Mehrheit in das Rathaus zurückkehren lassen. Sie errang 42,8 v. H. der abgegebenen Stimmen und 65 von 120 möglichen Sitzen vor dem CDU-FDP-DKP-Wahlblock des „Vaterstädtischen Bundes“ mit 35,5 v. H. und 40 Mandaten. Auf ihren Landeslisten erzielten die DP 9, die Kommunisten 5 und die RSF einen Sitz. Die Hansestadt kann also in den nächsten vier Jahren von einem rein sozialdemokratischen Senat regiert werden. Fürwahr, dies alles ist in keiner Hinsicht eine Sensation.

Und doch trägt die Wahl ein besonderes Kennzeichen, das man allerdings in der Parteiarithmetik nicht finden kann: Die Nichtwähler haben sie entschieden. Beschränkte sich ihre Zahl noch bei der Bundestagswahl am 14. August auf knapp 18 v. H., so ist sie jetzt auf 30 v. H. gestiegen. Sie sind wieder die „stärkste Partei“. Daran ist nicht nur die schmutzige Wäsche schuld, die während des Wahlkampfes auf beider, Seiten gewaschen wurde. Es zeigt vielmehr – zumal: das Hamburger Votum nicht als erstes Urteil, über die Bonner Regierungsarbeit, sondern als rein kommunal-politisches Ereignis gewertet werden muß –, daß die föderalistischen Tendenzen im deutschen Volk wohl doch nicht ganz den Vorstellungen der Verfassung und ihrer deutschen und alliierten Schöpfer entsprechen. Aber, schließlich hat jeder die Regierung, die er verdient. Auch der, der nicht wählt. Und das kommt hinzu: Mit einer neuen Beauftragung Bürgermeister Brauers, der drei Jahre lang an der Spitze der Stadt stand, dürfte selbst die überwiegende Anzahl jener, die der Wahl fernblieben, einverstanden sein. G. J.