Für jedes Werk der Kraftfahrzeugindustrie bedeutet die Taufe einer Neukonstruktion ein festliches Ereignis und einen hoffnungsfreudigen Start in neue Entwicklungsabschnitte. Dieser Tag krönt lange und oftmals schwierige Versuche; er vermittelt neue Impulse vom jüngsten Lehrling bis zum leitenden Direktor. Einem solchen Abschnitt in ihrer Existenz sah sich jetzt die Vidal & Sohn Tempo-Werk GmbH, in Hamburg-Harburg gegenüber, als sie in der vergangenen Woche zur Ergänzung der bewährten „Hanseat“-Dreirad-Lieferwagen-Produktion ihren neuen vierrädrigen 1-t-Tempo-LKW mit Volkswagenmotor herausbrachte und ihn auf den Namen „Matador“ taufte.

Das Tempo-Werk, 1928 in Hamburg-Wandsbek begründet und später mit besten Ausdehnungsmöglichkeiten nach Hamburg-Harburg verlegt, konnte sich aus bescheidenen Anfängen heraus einen beachtlichen Marktanteil erobern. Allein in der Bundesrepublik laufen heute rund 40 000 Tempo-Lieferwagen, und viele Wagen haben den Weg ins Ausland gefunden. Die Produktionsziffern des Tempo-Werkes liegen weit über denjenigen aller anderen Fabrikate auf dem Gebiet des Kleinlastwagens, und in den letzten Monaten war der „Hanseat“ sogar der meistgebaute Lastwagen überhaupt. Er will es auch bleiben.

Die Erfolge dieses einzigartigen Aufschwungs liegen nicht nur in der weisen Beschränkung auf den Bau von Fahrzeugen für den Kleintransport, nicht allein in dem Stamm tüchtiger Konstrukteure, in der hervorragenden Qualität oder in gewissen Vorteilen gegenüber dem Großbetrieb, sondern sie liegen auch in dem Geist begründet, der Belegschaft und Betriebsleitung eint. Eine gründliche soziale Fürsorge vor allem dient diesem gesunden Denken und fördert eine bewundernswerte Leistungsgemeinschaft unter den 1300 Beschäftigten.

Von der Neukonstruktion, die über einen günstigen Laderaum und ein ansprechendes Gesicht verfügt, will das Tempo-Werk zum Preis von 6200 DM (als Pritschenwagen) und 7100 DM (als Kastenwagen) im Dezember 50, im Januar 150 und schon ab März 300 Stück je Monat in Serienfabrikation herstellen (natürlich neben der Produktion des „Hanseat“, die sich im September auf Uli Stück belief). Wir sind überzeugt, daß sich der „Matador“ mit seiner hervorragenden technischen Ausrüstung und seinen guten Fahreigenschaften sehr schnell den deutschen Markt erobern wird; er wird aber auch im Ausland viele Abnehmer finden. we.