Das „Christopherus-Werk“ zu Hamburg

Man kann nicht sagen, daß es allzu viele Leute gibt, die sich für die Not der Studenten interessieren oder gar bereit sind, ihnen tatkräftig zu helfen. Und doch! Vielleicht sind es am ehesten noch die Hamburger Kaufleute, die ein näheres Verhältnis zur akademischen Jugend ihrer Stadt haben. Schließlich hat die Handelsstadt Hamburg nach dem ersten Weltkrieg in schwerster Zeit ihre Universität gegründet und zielstrebig, beinahe kaufmännisch aufgebaut. Und deshalb mag es kein Zufall sein, daß gerade hier vor mehr als einem Jahr das „Christopherus-Werk“ entstand. Von Hamburger Kaufleuten ins Leben gerufen, wollte es durch den Bau eines Studentenheimes die Not der Studenten lindern helfen.

Diese Pläne haben inzwischen feste Gestalt angenommen: Ein Haus, entweder in unmittelbarer Nähe der Hochschule oder in einem günstig gelegenen Vorort der Stadt soll entstehen; es wird zunächst 45 bis 100 Studenten und zwar solche aus „Examens-Semestern“ aufnehmen, die sich in bescheidenen, aber freundlichen kleinen Einzelzimmern auf die Prüfung vorbereiten können. Die Studenten sollen das Heim, das aus Spenden gebaut wird, später durch eine kleine Miete selbst erhalten helfen (der typische, aber sehr gesunde Standpunkt Hamburger Kaufleute vom alten Schlag: Auch wenn wir helfen, wollen wir nichts schenken!), sie sollen abends zusammensitzen, sich unterhalten, über ihre Studien sprechen. Vielleicht, daß dann zuweilen ein Gespräch zustande kommt zwischen diesen Hörern aller Fakultäten, welches: einen Rest alter „Universatität“ wenigstens wieder ahnen läßt. Vielleicht, daß nach solchem einjährigen Zusammenleben ein Gefühl der Zusammengehörigkeit bleibt, das ein erstes Stück neuer Tradition werden könnte, wie sie die studentische Jugend heute so dringend braucht. Man sieht: Es geht hier um mehr, als um die Unterbringung einiger Dutzend Examenskandidaten. Und das hamburgische Bemühen ist sicherlich ein Beispiel für alle deutschen Universitätsstädte, den Kontakt zwischen den Studenten und den Bürgern der Stadt wieder enger zu gestalten.

40 Englische Pfund schickten Studenten vom anderen Ende der Welt, von Neuseeland, zur Unterstützung, als sie von dem hamburgischen Projekt hörten. Sie waren bisher die einzigen Ausländer, die durch die Tat halfen. – Das fertige Heim in Hamburg soll wie das Werk „Christopherus-Haus“ heißen. Das ist ein Vertrauen erweckender Name: denn der heilige Christopherus war zwar nicht einer der größten, aber einer der solidesten Heiligen der christlichen Geschichte. P. H.