Du sollst deinen Vorgesetzten ehren wie dich selbst. Das steht zwar nicht in der Bibel; aber handeln nicht dennoch die Menschen, zumal die uniformierten, nach diesem Gebot, daß sie, wenn sie den Vorgesetzten ehren, hauptsächlich sich selber meinen? Oh, welch geheimnisvolles Ding ist doch die Ehre! Hipp, hipp, hurra und Tusch!

Bei den Debatten über die amerikanische Armee- und Flottenpolitik – so meldet Reuter – kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Offizieren der Armee und denen der Marine, als General Bradley am Rednerpult erwartet wurde. Das war in Akron, wo die Kapelle zum Empfang des berühmten Gastes schon bereitstand, am ihn mit entsprechender Musik zu ehren. „Spielt den Admiralsmarsch“, verlangten die Marineoffiziere. „Spielt den Generalsmarsch“, forderten die vom Heer. Ehre, wem Ehre gebührt; nämlich stets nur der eigenen (Waffen-) Gattung. Dem Deus ex machina im antiken Drama oder dem Kadi im orientalischen Märschen vergleichbar, erschien der Kapellmeister und zerschlug mit seinem Taktstock den Gordischen Knoten, indem er sein Ehrenwort abgab, er ‚werde beiden Befehlen Rechnung tragen, er werde zu gleicher Zeit den „Generals-“ und den „Admirals“-Marsch spielen, denn der Marsch sei derselbe, nur die Titel seien verschieden.

Schon Deutschland hat seinerzeit die Synthese gefunden, indem es den Rang des „Generaladmirals“ schuf. Aber was die Sache mit der Ehre betrifft: Bei Ehrensachen sind immer die Titel verschieden, und immer ist es dieselbe Musik.

M.