Eine Größe des „Dritten Reiches“ macht im Rheinland von sich reden: Werner Peiner, der Maler, der es nach Görings und Rusts Expertisen verstand, nicht nur mit dem Pinsel, sondern mit echt deutscher Seele zu malen. Göring hatte ihm zu diesem Zweck eine Burg in der Eifel angewiesen, und offensichtlich hat Peiner auch heute Gönner gefunden, und ohne eine Burg tut er’s wohl nicht. Diesmal handelt es sich um den alten Rittersitz „Haus Forst“, der, idyllisch von der Wupper umflossen, im Bergischen Lande liegt. Und nicht nur prominente Maler der Düsseldorfer Akademie, sondern zugleich die Mitglieder der Rheinischen Sezession hielten es für richtig, gegen die neuen Gönner Peiners einen geharnischten Protest loszulassen. Und dies war recht getan, obwohl sie ihren Protest ausschließlich auf das Argument stützten, daß Werner Peiner der Günstling Görings gewesen sei.

Es geht um die Aufgaben der Malerei zum Zwecke der Repräsentation. Und so hört man denn, daß Werner Peiner nicht nur auserkoren sei, auf einer Burg zu wohnen, sondern daß er für würdig erachtet werde, Bonner Repräsentationsräume würdiger zu gestalten. Wenn man an die kolossalen Wandteppiche des einstigen Luftfahrtministeriums aus Peiners Werkstatt denkt – o Schreck! Und erst an die Gemälde, die seinen Namen bekannt machten! Es war eine im Artistischen hochleistungsfähige, im Künstlerischen aalglatte, seichte, oberflächliche Produktion, wie sie nur denen gefallen konnte, die alles recht prächtig, recht vordergründig haben wollten. Angesichts dieser Malerei hatte der NS-Erziehungsminister Rust begeistert formuliert, was deutsche Malerei bedeute –: „Deutsch malen, heißt nicht nur, Deutschland malen, sondern heißt, die Welt deutsch malen und aus der deutschen Seele heraus gestalten.“ Da die Bonner Politiker auf ihrem Gebiet nichts Ähnliches im Sinne haben, sollten sie auf die künstlerische Mitwirkung Peiners gern verzichten können!

M.

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Während gerade in einem Kölner Kino der Film „Verführte Hände“ gezeigt wird, erlebt die musenfreudige Stadt ihren wahrscheinlich größten Kunstskandal seit Jahren. Da hatte sich nach Kriegsende der Maler Robert Schuppner – in der internationalen Kunstwelt kein Unbekannter – in Köln niedergelassen. Man kannte ihn als Porträtist von Damen der Gesellschaft in Hamburg und Berlin und erinnerte sich auch seiner Landschaftsaquarelle. Einst hatte ihm die Reichskulturkammer seligen Angedenkens das Malen verboten, da ging er nach Paris. Und der französische Staat erwarb drei seiner Gemälde, die auf der Weltausstellung hingen. Schuppner stellte auch in London und New York aus – meist surrealistische Arbeiten.

Dem nach Deutschland Heimgekehrten blieb auch in Köln der Erfolg treu; seine Ausstellungen wurden rege besucht, wenn auch ob ihrer surrealistischen Motive heftig diskutiert, wobei seinem Können das gebührende Lob gezollt wurde. Und nun ist Schuppner in Köln verhaftet worden. Verdacht des Diebstahls und der Fälschung einer großen Zahl von Aquarellen und Ölbildern moderner Meister! Arbeiten von Paul Klee, Emil Nolde und Pissaro sind bereits als Fälschungen erkannt, Bilder Edvard Munchs, Ernst Ludwig Kirchners, Campendoncks und Otto Muellers wurden beschlagnahmt, da ihre Herkunft zweifelhaft ist. Bilderfälscher hat es zwar immer gegeben, doch in Köln ist der Fall besonders delikat. Denn –: die größten Kölner Sammlungen und Museen haben von Schuppner in den Handel gebrachte Bilder angekauft!

Daß Schuppner – der dort, wo er aus Eigenem schuf, durchaus Anerkennung fand – nicht mehr im Mantel der Unschuld einhergeht, ist erwiesen: Er trat früher schon als Bilderfälscher auf. Damals waren es „Alte Meister“. Und ob es richtig ist, wenn er heute sagt, daß die von ihm verkauften Bilder moderner Maler aus Kölner und Düsseldorfer Privatsammlungen stammen, wird nun der Richter entscheiden müssen...