Die Galerie Ruhstrat – sie nennt sich programmatisch „Der Weg“ – existiert in Hamburg nun bereits einige Jahre im Elbkurhaus von Blankenese. Eine tapfere kleine Galerie, deren Inhaberin es sich zur Aufgabe gemacht hat, kompromißlos für modernste Kunst einzutreten.

Zur Zeit ist in dieser Galerie eine Gedächtnis-Ausstellung für Oskar Schlemmer zu sehen. Man hatte in den letzten Jahren mehrfach Gelegenheit – unter anderem in der Hamburger Kunsthalle – einzelnen Bildern dieses Malers in Ausstellungen wieder zu begegnen. Von seiner späten Entwicklung seit dem Jahre 1933, als ihn die Nazis verstießen, bis zum Jahre 1943, in dem er starb, war bisher der Öffentlichkeit nicht viel bekannt geworden. So dürfen wir .froh sein, daß uns die Galerie Ruhstrat auch einige seiner letzten Kompositionen in Zusammenhang mit den früherei zeigt.

Da nämlich wird es klar, daß die Kunst von Oskar Schlemmer keineswegs schon um 1930, wie viele seiner Bewunderer meinten, zu ihrer endgültigen Form vorgedrungen war. Das Wort von dem „Masaccio der modernen Kunst“, der sich die ewig neue Aufgabe gestellt habe, Figuren im Raum, bis zur letzten Möglichkeit vereinfacht, darzustellen, mag weiter zu Recht bestehen für das, was er während seiner Bauhauszeit und in Breslau geschaffen hat. Die späten Bilder und Zeichnungen zeigen, daß er begann, über die Lösung rein formaler Probleme hinaus, sich der Wiedergabe subtiler seelischer Stimmungen zuzuwenden. In dem Maße, wie dies geschah, wurde seine Darstellung malerischer in den Konturen, wurde auch die Palette reicher als zuvor.

Uns dies deutlich vorzuführen, ist ein Verdienst der Galerie Ruhstrat. Den Besuchern der schönen Ausstellung sei noch der Rat gegeben, sich nicht damit zu begnügen, nur das zu betrachten, was an den Wänden hängt. Sie sollten vielmehr die Stapel von Handzeichnungen und Skizzen durchsehen, die daneben noch auf Tischen und Stühlen liegen. Vielleicht könnte der eine oder andere dadurch verleitet werden, eines dieser Blätter zu erstehen und zu Hause an die Wand zu hängen. M. R.