Selten genug, daß eine junge Schauspielschülerin ihr Debüt an einem großen Theater geben kann – aber noch seltener sicherlich, wenn sie während ihres Auftretens zweimal Beifall auf offener Szene erhält und diesen Beifall auch verdient hat. Christa Keller, die in der Neueinstudierung von Friedrich Forsters "Robinson soll nicht sterben" im Deutschen Schauspielhaus Hamburg das Mädchen Maud spielte, ist eine so ursprüngliche Begabung, daß man solchen Erfolg versteht und doch vorsichtig werden möchte mit dem Loben. Denn es wäre nicht das erstemal, daß allzu großer Anfangserfolg kaum erprobten Talenten schadet. Und aus diesem Grund soll von dem dreifachen Glück gesprochen werden, das der jungen Schauspielerin bei ihrer Premiere sichtbar beistand: Eine zauberhafte Rolle in Forsters "jugendbewegtem" Stück, in der sie sich nur selbst zu spielen brauchte, eine temporeiche, echt komödiantische Regie (Joseph Offenbach) und in den tollen der Erwachsenen zum Teil ausgesprochen ich wache Partner, zwar routiniert, aber unecht, gegen die sich die Echtheit der jungen Anfängerin noch mehr abhob. P. Hühnerfeld