Ein neues Buch von T. S. Eliot

Es gibt eine Art von Menschen, zu denen man nur mit Schwierigkeiten und eine andere, zu denen man vergeblich spricht", sagt der englische Dichter T. S. Eliot zu Anfang seines Essays "Die Idee einer christlichen Gesellschaft" (in deutscher Sprache im Amandus-Verlag, Wien). Da können wir Leser also nur hoffen, daß wir wenigstens zu den Halbverstockten gehören, bei denen die Verständigung schwierig, aber nicht unmöglich ist. Denn die Gedankengänge dieses Essays, durch die sich der Dichter Eliot diesmal als scharfer Denker erweist, sind es wert, verstanden zu werden. Es geht in ihnen um die Errichtung einer christlichen Gesellschaft, die sich der Technik endlich gewachsen zeigt. Nicht Flucht in mittelalterliche Idylle, sondern Besitznahme der modernen Welt durch christliche Haltung ist Eliots Ziel. "Der Begriff Demokratie ist auf dem Höhepunkt seiner Popularität. Erfreut sich ein Begriff einer so allgemeinen Geheiligtheit, dann fange ich an, mich zu fragen, ob er überhaupt etwas bedeutet. Griffe doch einmal jemand die Demokratie an, dann käme ich vielleicht dahinter, was das Wort eigentlich bedeutet..." (Dieser Essay wurde im März 1939 geschrieben: Seitdem ist die Demokratie mit dem Geiste und mit Waffen genug angegriffen worden, aber weiß man deshalb heute wirklich, was demokratisch ist?) Der Hohlheit der demokratischen Gesellschaft, die eine "negative" Gesellschaft ist, setzt Eliot eine Gesellschaftsform entgegen, deren primäres Kennzeichen der Bezug zu Gott ist. Überzeugend sagt Eliot: "Der Begriff Demokratie hat nicht genügend positiven Gehalt." Der Gewalt kann nur eine Gesellschaft widerstehen, die ihre Ordnung auf religiösem Grund aufgebaut hat. Denn: "Will man von Gott nichts wissen ..., dann sollte man sich vor Hitler oder Stalin beugen." Was Eliot damit meint (und zwar in seinem ganzen Essay) ist dies: Es wird allerhöchste Zeit, daß der Mensch sich besinnt, ob er als Ziel seines ganzen Handelns und Denkens weiterhin die eigene Vernichtung – weniger die plötzliche physische, als die tägliche, langsame aber sichere seelische und geistige – ansetzt, oder ob die Menschen in Vereinigung mit Gott – anders geht es wohl nicht – eine neue Welt aufzubauen versuchen. A. M.