Auf der Konferenz der nordischen Außenminister, die am 12. September in Kopenhagen stattfand, war beschlossen worden eine gemeinsame Aktion bei den Großmächten zu unternehmen, mit dem Ziel, die ostdeutschen Flüchtlinge aus Südschleswig zu entfernen. Diese Aktion soll jetzt durchgeführt werden, und zwar werden demnächst Schweden, Norwegen und Island gleichlautende Noten in London abgeben, Hierdurch soll der dänische Standpunkt unterstützt werden. Begründet wird dies Vorgehen damit, daß die deutsch-dänische Grenze die gemeinsame Südgrenze Skandinaviens sei.

Wir wollen einmal, davon absehen, daß diese Begründung eine staatsrechtliche Ungeheuerlichkeit ist, aber auch sonst kommt uns das Vorgehen der drei Mächte absonderlich vor. Nach dem Besatzungsstatut unterstehen Flüchtlingsfragen der Deutschen Bundesregierung und außenpolitische Fragen den drei Hohen Kommissaren. Eine Démarche in London scheint uns daher völlig fehl am Platze, es sei denn, daß man die englische Regierung bitten will, die Noten an die Hohen Kommissare weiterzuleiten mit der Bitte, sie ihrerseits der Bundesregierung zu übersenden. Über diesen Instanzenweg konnte sich dann mit der Zeit ein umfangreicher Schriftwechsel entwickeln.

Aber noch etwas anderes wundert uns. Wir haben sehr viel Ursache, uns an die oft bewiesene Humanität der skandinavischen Staaten mit großem Dank zu erinnern. Und so denken wir, man müßte dort doch eigentlich einsehen, daß die Flüchtlinge Menschen sind, in deren Schicksal man nicht noch einmal mit harter Hand eingreifen kann, indem man sie wie tote Ware über die Westzonen "gleichmäßig verteilt". Eine Umsiedlung dieser Ärmsten kann nur freiwillig Folgen und nicht wiederum unter politischem Zwang. T gl.