Von unserem Berliner Korrespondenten Über Demontage spricht man in der Sowjetzone seit langer Zeit nicht mehr, und maa berührt das Thema weder in offiziellen noch ia privaten Kreisen, öffentliche Debatten zwar, wie sie das Gebiet der Bundesrepublik beherrschen, waren in den drei Jahren nach Kriegsende, in denen die Demontagegüter ununterbrochen ostwärts rollten, ohnehin niemals zu hören gewesen. Immerhin aber kann die sowjetzonale Regierung Grotewohl heute in voller Obereinstimmung mit den Tatsachen feststellen, daß ia dem von ihr usurpierten deutschen Bereich ein Demontageproblem nicht mehr existiere. Diese Ost Demontage, die in der Tat seil Sängerer Zeit abgeschlossen ist, hat übrigens niemals korrekt nach dem Katalog verfahren, den die Potsdamer Beschlüsse aufgestellt hatten. Es, wai eine Generaldemontage, die sowohl die sogenannten "verbotenen" Industrien betraf wie auch alles das, was der zivilisatorischen und industriellen Aufzäunung der Sowjetunion nützlich schien. So gingen in diesen Jahren die Einrichtungen großer Stahlweike ebenso ihren Weg nach Rußland wie die Installationen von Druckereien und Zuckerfabriken. Die Welt weiß, was mit der Beute so rücksichtsloser Demontage in vielen Fällen geschehen ist: entweder ist sie auf dem Wege verkommen oder, am Ziel angelangt, als nicht brauchbar befunden worden. Andererseits arbeitet die Mehrzahl jener Fachleute und Spezialarbeiter, die vor etwa zwei Jahren bei Nacht und Nebel in Zwangstransporten nac% Rußland geschleppt wurden, heute in Spezialriästungswerken deren Verlagerung von Deutschland nach Rußland gelungen isc.

Ia der Ostzone selbst aber settc am die gleiche Zeit, als der Mißeifolg der großen Demontageaknon offenkundig wurde, en sowjetisches Antreibersystem eia, das in den d montserten Fabriken nd Werkstätten sehr schnell wieder neues Leben erstehen sehen wollte. Hierbei war es keineswegs die reine Verbrauchsgüterindustrie, der vor allem die Fürsorge der sowjetischen Besatzungsmachc galt, sondern gerade jene Gruppen der Industrie waren es, die eben auf deutschem Boden nach Potsdamer Recht verboten bleiben sollten. Weil abei die Demontage die Produktionsbedingungen in den meisten der zuerst verbotenen, danach wieder erwünschten Industrien in unvorstellbarem Maße primitiviert hatte, geschah etwas sehr Seltsames, eine Reihe von Produktiopsanlagen, die m den Jahren zwischen 1945 und 1947 in die Sowjetunion abgeschleppt worden waren, wurden 1948 wieder an ihre ehemaligen Standorte zurückgebracht, Von jetzt ab blieb das Ausmaß der Förderung, die diesen Industriezweigen von sowjetischer Seite zuteil wurde, ein Geheimnis der Sonderverwaltung der SAGs (Sowjetische Aktien Gesellschaft"). Die bisherige "Deutsche Wirtschaftskommission" mit ihrem Planungs- und Kontrollapparat hat nie Einsicht erhalten. Und kein Etat iner deutschen Behörde nennt au<i nur im geheimen die Kapazität dieser Unternehmungen, die anmittelbar der Moskauer Industrie Verwaltung unterstehen.

Daß es sich bei dieser Produktionsspezies nicht so sehr um die Stahlindustrie handeln kana, geht aus der Tatsache hervor, daß die sowjetzonale Stahlindustrie heute im Jahresvolumen noch nicht einmal die Grenze von einer Million Torinen erreichen konnte Anders sieht s jedoch mit der ständig sich steigernden Aktivität der Kohl ehydüeiWTike aus, die ohne Rücksicht darauf, daß sie in Potsdam verboten wurden, arbeiten. Daß da Bunawerk Leuna im Laufe des letzten Jahres seinen Arbeiterstand um etwa 100 Prozent erweitert hat und ausschließlich auf die Produktion von Buna umgestellt worden fsi, mag eia deutlicher Hinweis auf diese Linie der industriellen Entwicklung in der Sowjetzone sein. Vor allem haben auch die Kali- und Düngerwerkstätten, die nach ihrer Demontage relativ schnell wiederhergestellt werden konnten eine große und stetig wachsende Bedeutung. Zusammen mit der Montanindustrie im erzgebirglschen Urangebiet ist gerade für diese Zweige der Industrie mehr und mehr ein Zwangsarbeitssystem ausgebildet worden, das den Arbeitsplatz unter Ausnahmerecht, also unter sowjetisches Sondergesetz stellt. Diese Industriezweige sind durchweg in die wirtschaftsrechtlich zweifelhaft Form der "Sowjet AG " verwandelt worden und stehen solchermaßen, wenn Rechenschaft darüber gefordert werden sollte, formell außerhalb <$Sf Bestimmungen, die Potsdam für solche Industriegrappen deklariert hat. Kurz, ein riesiger Teil des deutschen Bodens, deutscher Arbeitskräfte und deutscher Rohstoffe wird heute zui Herstellung von Produktionen verwandt ? über deren Zweck wohl kein Zwdfel bestehe ,, K W,