Die Ernennung George V. Allen‘s zum amerikanischen Botschafter in Belgrad, die in sonst nicht üblicher Eile drei Tage nach der Abreise seines Vorgängers Cavendish Cannon erfolgte, ist ein neuer Beweis dafür, wie ernst die amerikanische Regierung in diesem Augenblick die jugoslawische Krise nimmt. Allen ist nicht ein Diplomat wie andre auch, sondern er nimmt seit eineinhalb Jahren eine Schlüsselposition im State Departement ein, wo er als Unterstaatssekretär die überaus wichtigen Propagandaaufgaben einschließlich der "Stimme Amerikas" leitete. Als Karrierebeamter von hoher Qualifikation hat sich Allen seit Jahren auf das sowjetische Problem spezialisiert. Im Jahre 1943 begleitete er den damaligen Staatssekretär Cordell Hull zur Moskauer Konferenz, wo dieser laut seinen eigenen Memoiren der Liebenswürdigkeit Stalins gründlich zum Opfer fiel. Zwei Jahre später wirkte er als politischer Berater Trumans auf der Potsdamer Konferenz. Seiner Ernennung zum Unterstaatssekretär war eine zweijährige Dienstzeit als Botschafter in Iran vorangegangen.

In Washington legt man dieser auffallenden Ernennung eine ziemlich große politische Bedeutung bei, besonders im Zusammenhang mit der kürzlichen Wahl Jugoslawiens in den Sicherheitsrat der UNO. Ein amerikanischer Kommentator geht so weit, darin eine Bestätigung der "moralischen, wenn nicht legalen" Verpflichtungen zu sehen, die die amerikanische Regierung übernommen habe, als sie diese für Tito zweifellos nicht ungefährliche Kandidatur begünstigte und schließlich erfolgreich durchsetzte. Das läßt darauf schließen, daß die materielle und diplomatische Unterstützung der USA für das gegenwärtige jugoslawische Regime demnächst verstärkt werden wird. Die Frage ist, wie die Reaktion der Sowjetregierung sein wird. H. A.