Die Vereinten Nationen haben in den vier Jahren seit ihrer Gründung bei ihren Beratungen nicht nur Mißerfolge, sondern auch Erfolge gehabt. Auf einem Gebiet allerdings haben sie so gar kein Glück entwickelt: Auf dem der Atomkontrolle.

Es war im Dezember 1946, daß die Atomkommission der UNO (AEC) durch Mehrheitsbeschluß einen Bericht an den Sicherheitsrat billigte, der als wichtigste Maßgabe die Empfehlung enthält, daß nach Errichtung eines Kontroll- und Inspektionssystems einer Weltbehörde, mit Generalvollmachten für Kontrollen jeder Art, "die Herstellungszahl, der Besitz und der Einsatz von Atomwaffen allen Nationen verboten sein soll." Bis dahin müßten der Weltbehörde alle vorhandenen Atomwaffen zur Verfügung gestellt werden.

Das ist der bisher einzige präzise Vorschlag zur Verhütung eines Atomkrieges. Er liegt im Sicherheitsrat auf Eis. Und weder die geheimnisumwobene Atomexplosion in der Sowjetunion, noch die sowjetische Zustimmung zu "vorher angekündigten" Kontrollen, haben daran etwas ändern können. Weder die Annahme einer französischkanadischen Resolution durch die Vollversammlung, in der die sechs ständigen AEC-Mitglieder aufgefordert werden, ihre Verhandlungen fortzufahren, noch Wyschinskis Äußerung, daß die Atomenergie in der Sowjetunion bei der Sprengung von Bergen und der Umleitung von Flüssen zur Bewässerung von Wüsten angewandt würde, haben die Welt vom Alptraum des Atomkrieges befreien können.

Selbst bei einer noch so optimistischen Beurteilung all dieser Pläne und Verhandlungen, Empfehlungen und Beschlüsse muß in die praktische Durchführbarkeit einer Atomkontrolle, gleich welcher Art, erheblicher Zweifel gesetzt werden. Es ist ausgeschlossen, daß die USA einen Vertrag ratifizieren werden, auch wenn er im Grundsatz auf ihre eigenen Vorschläge zurückgeht, durch den die amerikanischen Atomwerke und Laboratorien, sowjetischen Experten zugänglich gemacht werden, und der ihre Atombomben einer Weltbehörde zur Verfügung stellt. Das gleiche gilt selbstverständlich für die Sowjetunion. Man kann sich daher nicht des Eindrucks erwehren, daß in der Frage der Atomkontrolle der Weltöffentlichkeit seit Jahren ein Scheinkampf vorgeführt wird, in welchem beide Seiten versuchen, die Verantwortung für das sichere Fiasko dem Gegner zuzuschieben. Das Problem der Ächtung der Atomwaffen und der Kontrolle der Atomenergieproduktion läßt sich – solange die Spannungen zwischen den beiden Besitzerstaaten bestehen – von der politischen Seite her eben nicht lösen.

E. K.