Von Knut Hamsun

Das neueste – letzte? – Buch Knut Hamsuns erscheint jetzt, ins Deutsche übersetzt von Elisabeth Ihle, im Paul-List-Verlag, München. Es nennt sich selbst ein "Tagebuch" und trägt den bezeichnenden Titel "Auf überwachsenen Pfaden". Die "Würdigungen", die diesem Bekenntnis- und Vermächtniswerk bisher zuteil geworden sind, standen allzu sichtbar unter dem Schatten politischer Urteile und Vorurteilt. Es war daraus nicht zu ersehen, daß sich der "Große Alte" auch hier in seiner ganzen Bezauberungskraft offenbart, daß er nichts von seiner poetischen Gestaltungsgabe eingebüßt hat und nichts von seiner einsamen Überlegenheit, innerhalb deren seine Unbereitschaft, später peccavi" zu sagen, eher als versöhnlich stimmende Charakterfestigkeit denn als greisenhafter Starrsinn eines kleinen Unbelehrbaren erscheint. – Wir bringen in folgendem einen Ausschnitt aus dem Buch: den Schlußakkord.

Es sind heute gewiß drei Jahre, daß ich arrestiert wurde. Und hier sitze ich.

Es hat mir nichts getan, ging mich nichts an. Es ist mir passiert wie etwas Zufälliges, und ich beabsichtige nicht, mehr darüber zu sagen. Ich habe Übung im Schweigen bekommen.

Wir sind alle miteinander auf der Reise nach einem Land, in das wir noch früh genug kommen. Es eilt nicht mit uns, wir nehmen die Zufälle mit auf den Weg. Nur Narren greinen zum Himmel auf und erfinden große Worte über die Zufälle, die ausdauernder sind als wir und nicht zu umgehen. Ja, ihr Guten, wie ausdauernd sie sind und wie unumgänglich!

Nun haben wir lange Zeit Wärme und Sommer gehabt, bis zu dreiundzwanzig Grad im Schatten Dann wechselt das Wetter plötzlich, und der Himmel wird glasklar und starr. Es ist Nacht, doch ich gehe hinaus, um mir die Sache anzusehen. Es ist Vollmond, doch kein Mond. Was ist los? Alles ist still, nicht eine Mücke. Zwei Stunden später gehe ich wieder hinaus und sehe den Mond über den Baumwipfeln auftauchen.

Es ist vielleicht keine große Unordnung darin, durchaus nicht, aber es ist wirklich etwas verwirrend. Hätte ich vor zwei Stunden hoch genug gestanden, ich hätte den Mond aus dem Meer heraufkrabbeln sehen wie eine Qualle, triefend vor Gold.