v. B., Rom, Ende November

Der Vorschlag des französischen Finanzministers Petsche, die geplante Wirtschaftsunion der Benelux-Staaten, Frankreichs und Italiens "FRITALUX" zu benennen, wird an einer Waschmaschinenfabrik scheitern, die den Markennamen "Fritalux" aus Gründen der Priorität für sich reklamiert, Man spricht als "Ersatz" von "BENEFIT". Sollte Westdeutschland beteiligt werden, dann meinen Beobachter ironisch, der Name "BENEFR1TZ" wäre angebracht.

Petsches Vorschlag, die "FRITALUX" aufzubauen, wurde in Rom mit Interesse aufgenommen; denn Italien war eines der ersten Länder, das für eine zwischenstaatliche Zoll- und Wirtschaftsunion mit dem Ziele eines gesamteuropäischen Marktes eintrat. Auf Grund der Erfahrungen mit dem Teilprojekt "Italienisch-französische Zollunion" wird der neue Vorschlag in Rom aber mit Skepsis beurteilt. Und welche Erfahrungen sind es?

Als im März dieses Jahres das Abkommen über eine italienisch-französische Union unterzeichnet worden war, hoffte man trotz der erheblichen Schwierigkeiten und des Widerstandes zahlreicher Kreise, besonders der großen Industriekonzerne, das in seinen Grundzügen weitsichtige und mutige Projekt binnen kurzer Zeit aus der Theorie in die Praxis umsetzen zu können. Der Gedanke, die-Konkurrenz statt im Rahmen zweier getrennter Länder in einer gemeinsamen Wirtschaft auswirken zu lassen, bildete die Basis. Zahlreiche Sitzungen (in Paris, Rom und Turin) wurden abgehalten, Tausende von Seiten bedruckt, um ein solides theoretisches Fundament zu bauen. Danach sollte binnen eines Jahres ein gemeinsamer Zolltarif angewendet und zwischen beiden Ländern kein Ein- und Ausfuhrzoll mehr erhoben werden. In den nächsten sechs Jahren wären alle Maßnahmen zu treffen gewesen, um schrittweise einen einzigen Markt zu schaffen.

Bald zeigte es sich jedoch, daß die auf dem Papier stehenden Vorschläge in der Praxis ganz anders aussahen. Das Kernproblem, auf das man immer wieder stieß, war die Tatsache, daß die Wirtschaften Italiens und Frankreichs nur wenige ergänzende Faktoren aufweisen, ihre Industrien sogar zumeist in ausdrücklicher Konkurrenz, stehen. So würden beispielsweise die französischen Automobil- und Textilindustrien schwer benachteiligt werden. Ähnlich ist es in der Landwirtschaft, wo französische Weinbauern und Obstzüchter sich kaum gegen die meist billigere italienische Ware durchsetzen könnten. Nur bei den industriellen Rohstoffen besteht etwas Komplementarität: Hanf, Seide, Schwefel und Pyrit in Italien; Eisenerze, Roheisen, Stahl, Phosphate und Kali in Frankreich. Und in einem Punkte besteht eine wichtige Ergänzung: Italien hat 1,8 Mill. Arbeitslose – und Frankreich ist menschenarm, aber kapitalreich.

Der Warenverkehr zwischen beiden Ländern zeigte zudem, daß Frankreich 1948 für 23,7 Md. Lira Lebensmittel und Fertigwaren bezog, aber nur für 2,8 Md. Lira eigene Güter exportierte, ein Außenhandelsdefizit mit Italien folglich von großem Ausmaß. Mit der unterschiedlichen Abwertung wurde dieses Mißverhältnis etwas korrigiert, aber eine Parität des Güteraustausches, der für die gemeinsame Zollunion von größter Wichtigkeit gewesen wäre, ist keineswegs erreicht.

So lehnte der wirtschaftliche Rat Frankreichs in seinem Mai-Memorandum die Zollunion ab. Er informierte die französische Regierung, daß im Augenblick eine Zollunion zuungunsten Frankreichs ausfallen müsse. Frankreichs Produktionsgruppen zögen aus der Markterweiterung einen weitaus geringeren Nutzen als die italienische Konkurrenz. Der Schlußstrich unter den Zollunionsplan wurde dann durch ein französischitalienisches Protokoll im Juli gezogen, in dem festgestellt wird, daß "auf Grund der allgemeinen Tendenz, den europäischen Warenverkehr liberalisieren zu wollen, die Zollunion ihren ursprünglichen Sinn und Zweck" verliere.