Wie ein deutscher Auslandsbuchhändler, der bisher in Brasilien wirkte, den westdeutschen Büchermarkt beurteilt, mag nicht nur für seine Fachkollegen, sondern für jeden Bücherfreund und Leser aufschlußreich sein.

Nachdem sich die allgemeine Unrast der ersten Nachkriegsjahre in Deutschland etwas gelegt hat, nachdem die Grenzen zum Ausland sich ein wenig gelockert haben und damit der Gedankenaustausch zwischen den Nationen wieder reger geworden ist, mag der Wunsch nach Büchern jeder Art heute in Deutschland eher im Zu- als im Abnehmen begriffen sein. Aber die meisten Deutschen sind arm, nur wenige können sich Bücher leisten, ohne etwas anderes dafür einzusparen. Und immer wieder hört man in Gesprächen den Satz: "Bücher? O wie gerne! Aber meine Mittel gestatten es nicht."

Es gibt nun aber Bücher, die man einmal liest Und dann nicht mehr, die vielleicht noch einige Male im Freundeskreis verliehen werden, aber weiter keine Wirkung tun. Warum genügt es nicht, solche Bücher in guten broschierten Ausgaben herauszubringen? Viele Deutsche verfügen ja heute gar nicht mehr über den Platz für einen großen Bücherschrank, ganz zu schweigen von einer Bibliothek. Wozu auch sollte man jedes gelesene Buch aufstellen, gleichsam zur Präsentation unseres Wissens für Bekannte und Freunde? Ich war erstaunt zu sehen, daß es im Deutschland der Nachkriegszeit so wenig broschierte, wohlfeile Bücher gibt. Gewiß, man soll ja auch gekaufte Bücher aufbewahren, nur nicht für alle Zeit und Ewigkeit, man sollte etwa alle fünf oder zehn Jahre darangehen, in seinem Bücherbestand ein wenig "auszumisten". Wer das broschierte Buch verteidigt, merkt nun bald, daß das Buch in Deutschland noch immer in hohem Maße ein Geschenkartikel ist und daß aus diesem Grunde schon eine geschmackvolle Aufmachung verlangt wird. Der Verlag. Rowohlt hat allerdings mit seinen Rotationsdrucken entgegen den Erwartungen vieler auch heute noch viel Erfolg, obwohl ein "Ro-Ro-Ro" als Geschenk nicht sonderlich in Frage zu kommen scheint

Die Bücherpreise an sich sind im Verhältnis zu der allgemeinen Preissteigerung in Deutschland eher niedrig als hoch zu nennen. Aber was nützt das, wenn sie trotz allem noch zu hoch für die Kaufkraft des Publikums liegen? Viele Verleger haben über diesen Fall nachgedacht. Wie könnte man die Bücher billiger herstellen? Wo könnte man sparen? Am Papier, am Druck, vor allem aber an der – Ausstattung! Hier könnte man sich die broschierten Ausgaben in farbigen Kartonumschlägen, wie sie in den romanischen Ländern gang und gäbe sind, oder man könnte sich die englischen und amerikanischen Ausgaben der Pocket- und Pelikan-Books zum Vorbild nehmen. Aber sagen wir es offen: Das deutsche Lesepublikum ist verwöhnt, ganz speziell auch das norddeutsche, in seinem Geschmack und seinen Ansprüchen konservativ, unbeugsam am Gewohnten, Althergebrachten festhaltend. Es ist gewiß ein schöner Zug, ein Buch als etwas Wertvolles zu betrachten, das man in einer entsprechenden Fassung zu sehen wünscht. Aber entsprechen diese Wünsche und Ansprüche den heutigen Verhältnissen? Sollte man nicht versuchen, diese, wie auf so vielen anderen Gebieten, so auch auf dem buchhändlerischen, der Zeit anzupassen? Gewiß, ein "Brockhaus" oder "Duden" in broschierter Ausgabe wäre sinnlos. Aber warum kann man gute Unterhaltungslektüre oder Bücher, die häufig bis zu einem gewissen Grade zeitgebunden und der Mode unterworfen sind, nicht in broschierter Fassung liebenlernen.

Es gibt außerdem noch einen weiteren Grund für die Propagierung des broschierten. Buches. Ein solches Buch könnte von mehr Lesern gekauft werden, der Umsatz würde steigen, die Auflagen könnten vergrößert werden und damit wiederum der Preis weiter ermäßigt werden. Die Verleger sind bereit, sich den Wünschen des Publikums anzupassen. Am Lesepublikum also liegt es, sich zu entscheiden! P. W. Nölting