Daß es nicht leicht ist, Kinderbücher zu verfassen und herzustellen, ist bekannt. Dennoch hat es immer besonders gute gegeben und werden auch immer wieder gute entstehen. Vermutlich liegt dies daran, daß es so viel Spaß macht, sich vorzustellen, wie Kinder sich über das freuen werden, was man schreibt oder zeichnet. Hier ist es ja wirklich legitim, sich nach den Wünschen seiner Leser zu richten, während ernsthafte Dichter für Erwachsene um ihrer selbst willen, nur der Kunst gehorchend, schreiben müssen. Bei Kinderbüchern aber geht das nicht, da muß man sich schon beim Schreiben den zukünftigen Leser genau vorstellen.

So sind da etwa die Kleinen, die mit dem Finger auf einer Seite herumfahren und dazu sagen: Mann – Mukuh – Ferd. Sie haben unter ihren Büchern genau so ihre Lieblinge wie die Älteren. Die Zeichnungen müssen klar und die Pappen unzerreißbar sein. Der Verlag Heinrich Ellermann, Hamburg, hat hier gleich eine ganze Reihe solcher Bücher herausgebracht, deren Bilder von Vera Mohr-Möller und Eva Heydom vorzüglich entworfen sind. Da ist. für die ganz Kleinen "Philipp und die Tiere" und "Allerhand aus Stadt und Land". Für die etwas Größeren "Peter und Paulinchen" und "Kinder und Tiere". Das sind Bücher, die ihre Aufgabe, Freude zu machen, gut erfüllen.

Sehr reizvoll, aber gar nicht leicht ist es dann, für das darauffolgende Alter zu schreiben und zu malen. Diese Kinder von fünf bis acht Jahren wollen auch noch Bilderbücher haben, aber nicht mehr ganz so simple. Die Phantasie ist schon stärker geweckt, sie will auf den Blättern spazierengehen, und die Verse sollen zwar einprägsam und leicht zu behalten, aber zugleich schon erzählend sein. Da ist, ebenfalls im Verlag Heinrich Ellermann, ein solches Buch erschienen, das diese Aufgabe löst, ein Buch mit dem Titel "Höchst ergötzliche Bilder und Verse für Kinder", und ein anderer Hamburger Verleger, Friedrich Oetinger, hat reizende einfache Kinderverse illustrieren lassen von der phantasievollen Hilde Körner und unter dem Titel herausgebracht "Es tanzt ein Bi–Ba–Butzemann".

Es folgt nun das Kindesalter der illustrierten Märchenbücher. Hier Gutes herauszugeben, ist verhältnismäßig leicht und sicher zu bewältigen, wenn man sich an altes Überlieferte hält, wie dies der Bernhard Funck Verlag, München, in seinem Buch "Das Zauberschloß" tut. Hier hat der Verleger selbst alte Märchen aus aller Welt neu und gut erzählt. Wenn aber Autoren daran gehen, Märchen zu erfinden, dann gehört sehr viel Takt, Verständnis der Kindesseele und poetisches Gefühl dazu, damit bei diesem Vorhaben Kitsch, Sentimentalität und Albernheit vermieden werden. Da ist es denn sehr erfreulich, daß wir hier gleich mehrere schöne Bücher mit Kunstmärchen anzeigen können, zunächst ein sehr poetisches von Paul Alverdes "Stiefelmanns Kinder" aus dem Süd-Verlag Konstanz. "Stiefelmanns Kinder waren sehr arm", so fängt es an und trifft damit gleich den richtigen Märchen- und Erzählerton. Seit jeher gehören ja die armen Kinder ins Märchen, damit es ihnen wenigstens dort einmal gut gehen kann, so, wenn sie, wie hier, die Heiligen Drei Könige persönlich treffen. Von einem anderen Dichter, dem Vlamen Ernest Claes, hat der J. P. Bachem Verlag, Köln, das schöne Buch "Sankt Nikolaus" herausgebracht. Es erzählt von dem Heiligen, seinem Eselchen und seinem kleinen schwarzen Diener Peterchen, ihrem Treiben im Himmel und ihrer Reise auf die Erde zum St. Nikolaus-Tag. Bei Heinrich Ellermann in Hamburg sind von der gleichen Art zwei Bücher erschienen, die Mirko Szewczuk, den unsere Leser ja gut kennen, wirklich ganz vorzüglich illustriert hat: "Das alte Zimmer mit den Märchentapeten" von Mary Louisa Molesworth, aus dem Englischen übersetzt von Lisbeth Brandis, und "Das vergessene Haus" von Angelica Krogmann. Aus England sind viele poetische Kinderbücher gekommen, die es zu Weltruhm gebracht haben. Ähnlich wie Alice in Wonderland ziehen auch aus dem Zimmer mit den Märchentapeten Kinder durch ein seltsames Märchenreich voll zauberhafter Stimmung. Es ist eine Freude, dieses Buch zu lesen.

Hierher gehören auch die Tiergeschichten insofern, als das, was die Tiere tun und erleben, ins menschliche Fühlen und Denken übersetzt und damit märchenhaft geworden ist. Da ist ein reizend geschriebenes und illustriertes Buch im Olympia-Verlag, Nürnberg, erschienen von Magda Münnich "Der Esel Peppino" mit Bildern von Gerda von Bodisco. Das ist eine sehr hübsche Geschichte, in der nicht nur ein Esel, sondern auch sein alter Besitzer von einem kleinen Mädchen gelähmt werden. Hier vielleicht wäre auch ein besonders geglücktes Buch zu erwähnen, das seiner Art nach für die Elfjährigen ebenso paßt, wie es vermutlich auch von Fünfzehnjährigen noch gern gelesen werden wird: Luise Rinser "Martins Reise". Der Atlantis Verlag Freiburg i. Br. und Zürich, der für seine besonders schönen Kinder- und Jugendbücher berühmt ist, hat es herausgebracht. Ein kleiner Bauernjunge muß, weil er gedankenlos ein Tier gequält hat, ein Jahr lang wandern, und so werden wir durch die süddeutsche Landschaft geführt, lernen die dorti gen Märchen, die historische Vergangenheit und das heutige Alltagsleben in einer halb märchenhaften Atmosphäre kennen. Das ist bei aller Ähnlichkeit mit Selma Lagerlöfs Wunderbarer Reise des kleinen Nils Holgerson" durchaus selbständig erzählt. Martin Rabe

Innerhalb ihrer Juristischen Handbücherei" gab die Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung (Münster i. Westf.) die "Rückerstattung feststellbarer Vermögensgegenstände an Opfer der nationalsozialistischen Unterdrückungsmaßnahme vom 12. Mai 1949 (erläutert von Bernhard Dammann und Fritz Heidkamp) heraus. Ferner erschien innerhalb dieser Reihe das "Bürgerliche Gesetzbuch" (bearbeitet von Ernst Lepsien und Eberhard Ewerlien).