DIE ZEIT

Zur Kenntnis genommen

Abwanderung. Der "Mitteldeutsche Freiheitsbund" hat eine Statistik veröffentlicht, aus der hervorgeht, daß im Sommer 1991 der letzte Deutsche die Ostzone verlassen wird, wenn die Abwanderung in gleichem Umfang wie bisher anhält.

Achtung Kurzschluß

Die öffentliche Debatte über die künftige Organisationsform der Bundesbahn ist im Fluß und wird es hoffentlich bleiben Dem Bundesverkehrsministerium scheint diese, wie man dort meint: vorzeitige, nach unserem Dafürhalten: rechtzeitige Resonanz des Themas nicht erwünscht zu sein.

Ein böser Zwischenruf

Wir haben zwei Schritte vorwärts getan, und einen zurück: Das Abkommen vom Petersberg bedeutet für die junge Bundesrepublik, verglichen mit der Zeit der Diktate, einen gewichtigen sachlichen und psychologischen Fortschritt; die Art und Weise aber, wie das Bonner Parlament diese Entwicklung zur Kenntnis genommen hat, ist ein Rückfall in die Barbarei.

Sklaven für Belgrad

Wer Jude ist, bestimme ich", erklärte einst Göring. Wer totalitär ist, das bestimmt heute die "Stimme Amerikas". Und also hat Jugoslawien alle Chancen, demnächst im Kreise der Demokratien als salonfähig zu gelten.

Treibjagd auf Diplomaten

Not macht erfinderisch. Wer geglaubt hatte, daß Ost und West nach zwei Jahren angestrengten Bemühens alle Versionen des kalten Krieges durchexerziert hätten, der wurde in der vergangenen Woche eines Besseren belehrt.

Wyschinskis Fehdehandschuh

Vor der Generalversammlung der UNO hat der sowjetrussische Außenminister Wyschinski eine Erklärung abgegeben, durch die mit greller Deutlichkeit beleuchtet wird, in welche Situation sich die Westmächte durch die Offensive des Kreml haben drängen lassen.

Atomale Spiegelfechterei

Die Vereinten Nationen haben in den vier Jahren seit ihrer Gründung bei ihren Beratungen nicht nur Mißerfolge, sondern auch Erfolge gehabt.

Der Kriegspremier

Wenn Winston Churchill am 30. November seinen 75. Geburtstag feiert, werden sicherlich irgendwann an diesem Tage seine Gedanken zurückgehen zu jenem 30.

DIE WOCHE

Bundeskanzler Dr. Adenauer gab in einer Regierungserklärung den Inhalt des Abkommens bekannt, das er und die Hohen Kommissare auf dem Petersberg unterzeichnet haben.

Lord Vansittarts Gedächtnis

Von den Historikern mit Spannung erwartet, sind nach der Fülle deutscher Aktenpublikationen nun auch die ersten amtlichen Dokumente von britischer Seite veröffentlicht worden, (Documenta Ott British Foreign Policy 1919-1939).

Neue Stadt aus dem Boden gestampft

HerfordEnde November Wenn man bei sinkendem Abend von Herford über Bünde in Richtung Rades fährt, blinkt zwei Stationen hinter Lübbecke, plötzlich im Walde ein Licht auf.

Das Zeichen des Jona

In Kassel machte man soeben den ersten westdeutschen Versuch, "Das Zeichen des Jona" von Günter Rutenborn auf die Bühne zu bringen.

Der elfenbeinerne Turm

Zur gleichen Zeit, da in Paris die führenden Außenminister der westlichen Welt zusammentrafen, fand in der Salle des Centraux eine Zusammenkunft europäischer Sozialisten statt.

Die Spanische Stunde

In der von Etatsorgen geschwängerten Frage: "Was bieteich meinem Publikum?" hat die Hamburger Staatsoper den Trick vom Ei des Kolumbus wiederholt: Abends gepflegte, gängige, opulente Opernkost, aber Sonntag vormittags Aufführungen, die sich der Moderne annehmen.

England im Hintergrund

Kaum eines anderen Mannes Bild scheint wie das des englischen Außenministers von "der Parteien Haß und Gunst verzerrt" zu sein.

Gomulkas Fall

Der Absetzung Wladyslaw Gomulkas als Generalsekretär der KP Polens, die im Sommer 1948 stattfand, ist jetzt mit der Konsequenz, die die Kommunisten aller Schattierungen bei der Vernichtung ihrer Gegner anzuwenden pflegen, als zweiter Akt der Ausschluß aus dem Zentralkomitee und allen anderen Parteiämtern gefolgt.

Lachender Ernst

Das Düsseldorfer "Kom(m)ödchen" das seinen in Westdeutschland unbestrittenen Ruf als die führende deutsche Kleinkunstbühne auch in Hamburg und München bestätigte, wird im Dezember mit einem Gastspiel das deutsche Kabarett in der Schweiz repräsentieren.

Notizen

Ein Studentenaustausch zwischen den Universitäten Leipzig und Göttingen für je ein Semester und ein Dozentenaustausch für Sondervorlesungen wurde, vom Studentenausschuß der Universität Göttingen und dem Leipziger Studentenrat beschlossen.

Wiener Symphoniker kommen nach Deutschland

Wien, im November Die Wiener Symphoniker unternehmen im Januar 1950 ihre erste Deutschlandreise nach dem Kriege. Die Leitung der zwölf vorgesehenen Konzerte (unter andern in München, Stuttgart, Frankfurt, Hannover, Hamburg, Düsseldorf, Wuppertal, Bielefeld und Aachen) hat Herbert von Karajan.

Zwischen Karlshorst und Pankow

Berlin-Karlshorst, seit Mai 1945 formal der Sitz der "Sowjetischen Militär-Administration" für Deutschland (SMA), ist real das vorgeschobene europäische Hauptquartier des Kreml.

Findet sich das Volk wieder zur Kunst und dem Künstler?

In ihrer Nummer vom 17. November brachte "Die Zeit" unter dem Titel "Werden die Künstler ihre Einsamkeit durchbrechen?" einen Aufsatz von Josef Marein, der schon durch die Fragestellung seines Themas an unser Herz rühren könnte – schon die Überschrift läßt uns eine Tragödie der Menschheit ahnen, die uns still und stumm machen sollte im Lärm der Gegenwart.

Flurbereinigung

Vom Flugzeug herunter sieht alles Land so schön sauber und ordentlich aus, so wohldurchdacht und gartenhaft aufgeteilt, daß man plötzlich Angst bekommt, es könne schließlich kein Platz mehr für eine Landung zu finden sein, weil die Menschen auch den letzten Winkel der Erde schon zu einem Kartoffelacker gemacht haben.

Negerstudenten spielen ein Negerstück

Im Sommer kam eine Truppe von New York via Kronborg (Dänemark) nach München, um der Army den Hamlet auf amerikanisch zu spielen – wovon einige dazu geladene Deutsche profitierten.

Abstrakt und ohne Auftrag

Warum eigentlich malen immer mehr Künstler abstrakt? Warum beginnen auch die Bildhauer, uns in ihren Plastiken Rätsel aufzugeben? Denkt denn niemand daran, daß wir, die wir angerufen werden, diese modernen Kunstwerke schön zu finden, vielleicht entsetzt sein könnten?" So und ähnlich lauteten die Fragen, die uns anläßlich der Ausstellung der Hamburgischen Sezession erreichten; über die wir hier vor drei Wochen berichteten.

Auf überwachsenen Pfaden

Das neueste – letzte? – Buch Knut Hamsuns erscheint jetzt, ins Deutsche übersetzt von Elisabeth Ihle, im Paul-List-Verlag, München.

Trauer der Bibliophilen

Bibliophile leiden an unglücklicher Liebe zu Büchern. Diese Liebe ist ungücklich, weil sie maßlos ist. Ich denke dabei nicht gerade an.

Wer wen kennt . . .

Vor einigen Tagen unterhielten sich in Berlin ost- und westzonale Abiturienten miteinander. Einer der westzonalen warf den Namen des spanischen Philosophen Ortega y Gasset in die Diskussion.

Film + Funk = Fernsehen

Amerikas Behörde für den Nadmcbtenverkehr hat alle Rundfunkgesellschaften aufgefordert, zur Förderung des Fernsehens in ihren Programmen einen Monat lang Versuche mit farbigen Fernsehsendungen zu machen.

Fritalux eine Illusion?

Der Vorschlag des französischen Finanzministers Petsche, die geplante Wirtschaftsunion der Benelux-Staaten, Frankreichs und Italiens "FRITALUX" zu benennen, wird an einer Waschmaschinenfabrik scheitern, die den Markennamen "Fritalux" aus Gründen der Priorität für sich reklamiert, Man spricht als "Ersatz" von "BENEFIT".

Liberalisiert

Der neue Handelsvertrag zwischen Westdeutschland und Dänemark, der bis zum 31. Juli 1950 Gültigkeit hat, schließt sich den bisherigen liberalisierten Abkommen an.

Nahverkehr in Sorgen

In Hamburg gab es bei Kriegsbeginn etwa 900 selbständige Fuhrunternehmer im Nahverkehr. Ihre Zahl hatte sich bis Kriegsende keineswegs vermindert.

Schäffers Dementi

Es ist unrichtig, daß der Bundesminister der Finanzen dem Bundeskanzler für seine Regierungserklärung ein Konzept geliefert hat, in dem er "weit über das Gebiet des Lastenausgleichs und über seinen Ressortbereich hinausgreifend", eine Aufwertung auch der Kontokorrentgelder empfahl und in diesem Zusammenhang das verhängnisvolle Wort von dem "monetären Spielraum" (25 Milliarden) prägte, wobei er zwischen 8 und 16 Milliarden an Geldansprüchen "Wiederaufleben" lassen wollte.

Nicht nur Briefkasten

Berlin hat sich mit der Verpflanzung des Deutschen Patentamtes nach München nicht tatenlos abgefunden. Die sehr rührige Sachverständigenkommission für gewerblichen Rechtsschutz beim Magistrat von Groß-Berlin arbeitete eine Denkschrift über das Patentamt aus, die auf die politische und wirtschaftliche Bedeutung dieser Frage hinweist.

Problematisches Renten-Recht

Zum Schluß des Aufsatzes "Die andere Schattenquote", der in unserer Nummer 46 der "Zeit" erschienen ist und der hier nun fortgesetzt wird, war ein Satz aus dem Hamburg-Gutachten von Prof.

Von der Entwicklung überrundet

Westdeutschlands beginnende Verknüpfung in der Weltwirtschaft läßt die Theoretiker nicht schweigen. Auch sie werten und verlassen damit den Boden der "reinen" Objektivität – wer wollte den Begriff "reine Objektivität in Wirtschaftsdingen je definieren? Hier wollen wir das Urteil, des früheren Leiters des Weltwirtschaftsinstituts in Kiel, Prof.

Neuerscheinungen für die Wirtschaft

Unter dem Titel "Arbeitsrecht" ist in der Buchreihe des "Betriebs-Beraters" im Verlag "Recht und Wirtschaft", GmbH., Heidelberg, 1949, eine Sammlung arbeitsrechtlicher Vorschriften für die Westzonen erschienen.

Steuer und Wirtschaft

Einen außergewöhnlichen starken Widerhall fand der Gedanke des Verbandes der Buchsachverständigen und Helfer in Steuersachen, in Hamburg eine Fachtagung durchzuführen, die unter dem Thema "Steuer und Wirtschaft" stand.

Europa zwischen West und Ost

In den letzten Jahren ist eine ganze Literatur entstanden, die der sogenannten Krise des zwanzigstens Jahrhunderts, wie wir sie seit dem zweiten Weltkrieg vor Augen haben, mit den Mitteln der Soziologie und der Ethik beizukommen trachtet.

Für das broschierte Buch

Wie ein deutscher Auslandsbuchhändler, der bisher in Brasilien wirkte, den westdeutschen Büchermarkt beurteilt, mag nicht nur für seine Fachkollegen, sondern für jeden Bücherfreund und Leser aufschlußreich sein.

Philosophen prägen das Bild der Zeit

Berühmt und berüchtigt wurde der Roman des französischen Existentialisten Jean Paul Sartre "Der Ekel" bei uns, noch bevor wir ihn in deutscher Sprache lesen konnten.

Biographische Porträts

Viele Biographien wurden und werden geschrieben, doch nicht alle Biographen sind es von Geburt und Berufung. Denn selten verliehen wie alle höheren Gaben wird auch die, Lebendiges in sachlicher Form persönlich wirken zu lassen, der Versuchung widerstehend, mit Sensationellem Effekt zu machen.

Gelebtes Leben

In den ersten Jahren des letzten Krieges, als die Vernichtung der deutschen Städte immer weiter Fortschritt, als immer mehr deutsche Kunstwerke zerstört wurden, begann Hamburgs großer Baumeister Fritz Schumacher, um während seiner durch Krankheit erzwungenen Untätigkeit Herr über die Gedanken zu bleiben, Erinnerungen und Betrachtungen niederzuschreiben, die jetzt unter dem Titel "Selbstgespräche" im Axel-Springer-Verlag erschienen sind Voller Empörung und Entsetzen mußte er erleben, wie ein Zeugnis deutscher Kultur nach dem anderen zugrunde ging.

Junge Erzähler

Und niemand kümmert sich um die jungen Schriftsteller! Verleger, die sich ihrer annehmen, gehen zugrunde, und wir – ja was bleibt uns übrig – wir verhungern.

Arme Liebesleute

Mit Vasco Pratolinis "Chronik armer Liebesleute" (Winkler-Verlag, München) feiert der neugeborene italienische Realismus einen neuen Triumph.

"Des Pudels Kern"

So einen Roman liest man nicht alle Tage! Joyce Cary, dessen Buch "Des Pudels Kern" Hans Erich Nossack mit subtilem Feingefühl selbst für verwegen-hintergründige Schnoddrigkeiten übersetzte, ist ganz bestimmt mit einer außergewöhnlichen Phantasie begabt, die höchstens durch einen geradezu tollkühnen Wirklichkeitssinn noch überboten wird.

Tödliche Phantasielosigkeit

Vor kurzem hätte man sich noch fragen können, ob die "Lettres sur la Bombe Atomique", die Denis de Rougemont im Herbst 1945 unter dem Eindruck der Katastrophe von Hiroshima in der amerikanischen Gelehrtenstadt Princeton schrieb, noch den Wert der brennenden Aktualität besitzen, aus der sie damals entstanden sind Es trifft sich, daß uns die deutsche Ausgabe (Über die Atombombe, Amandus-Edition, Wien) in einem Augenblick vorliegt, in dem die Atomexplosion in der Sowjetunion diese Frage in der unheimlichsten Weise bejaht hat.

Traktat vom Eros

Über die Liebe philosophieren – was beiläufig an jedem Biertisch passiert – kann man auf verschiedene Weise. Eine ganze Skala von Möglichkeiten, von der abstrakten Analyse bis zur gewagten Zote, steht zur Verfügung, fast ebenso umfangreich wie die der Nuancen der Sache selbst, welche vom platonischen Pathos bis zur plumpen Brutalität gehen.

Der "Kleine Brockhaus"

Fast scheint es so, daß – wie im Falle des Brockhaus-Verlages–eine mehr als hundertjährige Erfahrung notwendig ist, um ein modernes Lexikon herauszugeben.

Für ganz kleine Leser

Daß es nicht leicht ist, Kinderbücher zu verfassen und herzustellen, ist bekannt. Dennoch hat es immer besonders gute gegeben und werden auch immer wieder gute entstehen.

+ Weitere Artikel anzeigen