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Diesem Freiburger Philosophen Martin Heidegger – haben die Verfasser des "Symposion" – "Jahrbuch für Philosophie" (Karl Alber Verlag, Freiburg) – den ersten Band ihres Werkes zum 60. Geburtstage gewidmet. Herausgeber ist der Philosophieprofessor Max Müller, der im Vorwort eine Feststellung trifft, die beachtet zu werden verdient: "Die Zeit von 1918 bis 1932, viel geschmäht... ist durch den unerschöpflichen Reichtum der Anregungen Schelers, die klare Intellektualität Hartmanns, die weltweite Aufgeschlossenheit von Jaspers und den genial bohrenden Tiefsinn Heideggers für uns eine Blütezeit gewesen, wie wir sie seit dem Ende der romantischen und idealistischen Bewegung im Jahre 1831 nicht mehr erleben durften." Hier wird ausgesprochen, was im Zuge einer allgemeinen Minderbewertung unseres Zeitalters oft vergessen wird: wir leben in einer Blütezeit der deutschen Philosophie. Denn auch nach 1945 sind diese Philosophen mit neuen großen Werken hervorgetreten. In der Philosophie – das beweisen die Aufsätze des "Symposion" erneut – haben die deutschen Denker ihre Weltgeltung behalten. Unter den Beiträgen des vorliegenden Buches ragen vor allem die Interpretation Walter Rehms "Rilke und die Duse" (sein Buch über Kierkegaard besprach "Die Zeit" in ihrer Ausgabe vom 7 Tuli 1949), Willy Stadlers "Was ist Friede" und Wolfgang Struwes "Interpretationen zu Kierkegaard und Nietzsche" hervor,

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Die philosophische Situation der Gegenwart vernachlässigt bei aller Behandlung der modernen Menschheitskrise die klassische Philosophie nicht. Davon gibt eine neue Übertragung von "Platons Gastmahl" Auskunft, die der Hamburger Altphilologe Bruno Snell im Marion-von-Schröder-Verlag, Hamburg, herausgab. Schönheit und Einfachheit der Sprache verbinden sich in dieser Übersetzung mit der größtmöglichen Genauigkeit bei der Übertragung des griechischen Textes. So wird die Rede, die der trunkene Alkibiades auf Sokrates hält, auch im Deutschen die Rede eines begeistert liebenden griechischen Jünglings: "... So lauf ich weg von ihm und fliehe und wenn ich ihn sehe, schäme ich mich ... und oft wäre ich froh, ihn nicht mehr unter den Lebenden zu sehen. Doch weiß ich, wenn das geschähe, wäre es nur noch schwerer ..."

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Es ist nicht zuletzt Herder, der durch mannigfache Verbindungen – über Goethe, Jacobi und Schlegel – bis in die Gegenwart hinein lebendig bleibt und wirkt. Und zwar nicht nur unter dem gänzlich neuen Aspekt, den er der Literatur und Literaturgeschichte durch seine Entdeckung der Volksdichtung gab. Auch sein philosophisches Gedankengut ist von größter Wichtigkeit geblieben. Sein Begriff der Geschichtlichkeit des Menschen, seine Lehre von der Humanität, seine mannigfachen Verbindungen zum Geistesgeschehen seiner Zeit – dies alles dargestellt zu haben in knapper klarer Sprache ist das Verdienst von Alexander Gillies, dem Ordinarius für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Leeds. "Herder – der Mensch und sein Werk" nennt er das 1944 geschriebene Buch, das jetzt auch in Deutschland (Marion-von-Schröder-Verlag, Hamburg) erschien. Es ist das schönste Ergebnis dieses Buches, durch die Darstellung von Herders Leben und Werk eben diese Bedeutung des Denkers bis in die Gegenwart hinein erneut klargelegt zu haben.