Wer je zu Füßen des hervorragenden Umversitätslehrers Ernst Bücken gesessen, wird Seiner stets dankbar gedenken. Seine Untersuchungen zur musikalischen Stilkritik hatten ihn zu einem großen Eingeweihten gemacht; sein musikkritisches Denken war schöpferisch, sein Fachwissen enorm. Und manchmal während der Vorlesung konnte man ahnen: der Professor war nicht nur Methodiker, er war Enthusiast. Ein guter Geiger, so hieß es, und ein heimlicher Dichter, Nun, sein hoher wissenschaftlicher Rang weit über Deutschland hinaus war berechtigt. Daran gemessen hatte seine Dichterpotenz sehr viel geringeres Format. Bücken, der im Juli 1949 starb, hat in den letzten Jahren seines tätigen Lebens einen Roman um Beethoven und einen Anderen um Mozart geschrieben, den der Staufen-Verlag, Köln, soeben unter dem Titel "Don Juan" vorlegt. Sein Vorzug ist, daß die Erzählung um Mozart, den Liebenden, nicht wie so viele andere Künstlerromane ins Legendäre und bei subtiler Schilderung der Musik nicht ins Phantastische abgleitet –: dies natürlich konnte dem Professor Dr. Bücken nicht passieren. Es fehlt statt dessen an vielen anderen Stellen: die Atmosphäre ist nirgends dicht genug; das Buch ist liebenswürdig, ein taktvoller Wegweiser zu Mozarts Musik, nichts weiter. Indessen kündigt der Staufen-Verlag an, die "Kulturgeschichte der Europäischen Musik" liege druckfertig vor, desgleichen zwei andere Bücher Ernst Bückens: "Der Genius und sein Widersacher" und des Forschers Erinnerungen "Umklungenes Leben". Auf diese Werke wollen wir uns freuen. J. M.

Louis Gillet: "Dante". Verlag Dr. Hans v. Chamier, Essen und Freiburg im Breisgau. – Es gilt heute zwar nicht mehr als geistiges Armutszeugnis, wenn man bekennt, man habe die "Göttliche Komödie" nicht gelesen; aber schließlich gehört doch Dante zu den Hauptpfeilern, auf denen die europäische Literatur ruht. Es ergeht Dante heute wie Vergil: man nennt noch seinen Namen, aber nur wenige wissen noch etwas Wesentliches über ihn zu sagen. Es hat wohl kaum in der Absicht Gillets gelegen, neue Freunde für Dante zu werben. Sein Buch wendet sich vielmehr an die, denen das Werk des Dichters vertraut ist, die seine Sprache sprechen, derart, daß sie die zahlreich eingestreuten Verse der "Göttlichen Komödie" wie alte Bekannte begrüßen. Solche Leser führt Gillet als hervorragender Kenner des Mittelalters zu neuen Erkenntnissen. (Kapitel wie "Dante und der Islam", "Dante und Vergil", "Dante und Frankreich" sind von einer bezwingenden Kraft.) Wovon der Verfasser mit echter Begeisterung und einem feinempfundenen Sinn für die Sprache kündet, das ist europäische Bildung schlechthin. So wird die Lektüre des Buches ein Genuß sein für alle, denen Dante mehr bedeutet als ein Name. Werner Rockel