Wer Jude ist, bestimme ich", erklärte einst Göring. Wer totalitär ist, das bestimmt heute die "Stimme Amerikas". Und also hat Jugoslawien alle Chancen, demnächst im Kreise der Demokratien als salonfähig zu gelten. "Hilfst du mir, dann helf ich dir", so steht es unsichtbar über allen Botschaften, die zwischen Washington und Belgrad ausgetauscht werden; die Moral dieser Politik allerdings steht auf einem anderen Blatt. So war es denn kein Wunder, daß die französische Hohe Kommission es dieser Tage einer jugoslawischen Kommission gestattete, mit Hilfe deutscher Arbeitsämter deutsche Handwerker, vor allem Mechaniker, nach Jugoslawien zu verpflichten. Doch hier wird das Maß des Zuträglichen überschritten. Die westlichen Alliierten mögen Tito-Jugoslawien unterstützen, so viel sie wollen – aber nicht, mit deutschen Facharbeitern.

Immer noch befinden sich Hunderte deutscher Kriegsgefangener in Lagern in den Bergen Serbiens. Und nicht nur das. Darüber hinaus dienen über 1500 Deutsche als "Dienstverpflichtete" dem Tito-Regime. Sie leben nicht, sie vegetieren. Der Lohn ist schlecht, die Bespitzelung und Überwachung dafür vollkommen. Nach Ablauf der Verträge entzieht man den Deutschen sofort Lebensmittel- und Kleiderkarten und verweigert ihnen die Ausreise, wodurch sie gezwungen werden, unter den gleichen unwürdigen Bedingungen ein neues Dienstverhältnis einzugehen.

Nein, mögen die westlichen Alliierten auch in Jugoslawien bereits einen zukünftigen Partner im kalten Krieg sehen. Deutschland hat keinen Grund, seine Söhne einem Regime zur Sklavenarbeit auszuliefern, das sich nur in Nuancen von dem des Kreml unterscheidet. Der Kardinal von New York, Spellman, forderte am Wochenende die Beschränkung der wirtschaftlichen Hilfe für Jugoslawien, bis dort der Terror eingeschränkt werde. Uns stehen solche wirtschaftlichen Druckmittel nicht zur Verfügung. Aber die Bundesregierung sollte mit Jugoslawien Verhandlungen aufnehmen und – solange nicht die letzten Kriegsgefangenen heimgekehrt und die Zwangsarbeit in eine wirklich freie Arbeit umgewandelt ist – dafür Sorge tragen, daß kein einziger Deutscher auf Grund neuer Verpflichtungen für unabsehbare Zeit nach Jugoslawien geschickt wird. –i