Während die kommunistischen Parteien zu beiden Seiten des Eisernen Vorhangs sich mit einer wachsenden inneren Opposition gegen die Bevormundung durch Moskau herumschlagen, hat das Kominform jetzt auf einer Tagung in Budapest aufs neue das Befehlsrecht der UdSSR über alle Kommunisten im Osten, wie im Westen energisch bestätigt und in einem langen Kommuniqué auch gleich eine ganze Anzahl von Befehlen herausgegeben. Danach haben die kommunistischen Parteien aller Länder zur Zeit die Sowjetunion durch eine Verstärkung dessen zu unterstützen, was man im Kommform "Friedensaktion" nennt. Keine Abweichung und keine Schlappheit ist geduldet: Eine ganze Flut von Bannflüchen ergießt sich abermals über Tito und alle, die offen oder geheim mit ihm sympathisieren. In drei wohlkoordinierten Reden, die in dem Kommuniqué inren Niederschlag fanden, wurde das klargemacht. Der Russe Suslow, als Vertreter Malenkows, behandelte den Kampf "gegen die amerikanischen Kriegstreiber", der Italiener Togliatti. die Taktik in den Westländern, der Rumäne Georgiu-Dej die Kampagne gegen Tito.

Wie immer bei kommunistischen Proklamationen ist es schwer, zu unterscheiden, was davon schon Propaganda und was vorerst noch Programm ist, aus dem sich auf die kommende Propaganda Schlüsse ziehen lassen. Immerhin erscheint das Kommuniqué klarzumachen, daß keinerlei Volksfronttaktik im alten Sinn mehr geplant ist, denn die Sozialdemokraten – ebenso wie die britischen und amerikanischen Gewerkschaftsführer – werden ausdrücklich als "die schlimmsten Feinde der Arbeiterklasse" denunziert, gegen die der Kampf ohne Pause fortgeführt werden müsse. Dagegen sollen die Gewerkschaften selbst, die Frauen-, Jugend-, Genossenschafts-, Sport-, Kultur-, Erziehungs- und selbst religiösen Organisationen bearbeitet und in die bolschewistische "Friedensaktion" einbezogen werden. Sogar von der Festigung der "patriotischen" Kräfte ist die Rede. Mit großen Erfolgen wird das Kominform allerdings dabei nicht zu rechnen haben. Aber man darf nicht vergessen, daß im sowjetischen Machtbereich politische Reden immer nur zum Teil den darin ausgesprochenen Absichten, zum andern aber der Notwendigkeit dienen, die Loyalität des Redners nachzuweisen. Und danach könnten einige der zahlreichen in Budapest versammelten Kominform-Bonzen ein dringliches Bedürfnis gehabt haben. H. A.