Am 9. Dezember vereidigt der Generalgouverneur von Neuseeland, Sir Bernhard Freyberg, im Namen des Königs von England in seinem Palais in Wellington eine neue Regierung. Das geschieht in der Regel alle fünf Jahre. An der Spitze des Kabinetts aber wird diesmal ein Konservativer stehen. Das ist seit 14 Jahren nicht mehr vorgekommen und läßt die in der vorigen Woche abgehaltenen Wahlen, zumindest für das Commonwealth, zu einer Sensation werden. Labour, einst für unüberwindlich gehalten, ist aus dem Sattel gehoben. Der Pendel des Zwei-Parteien-Systems ist nach langem Stillstand wieder ausgeschwungen. Im neuen Repräsentantenhaus hat die konservative Partei 46 (bisher 38), die Labour-Party 34 (bisher 42) Sitze inne.

Der künftige Premierminister und Führer der Nationalpartei, Sidney George Holland, ist ein Mann, dem sogar seine Gegner eine glückliche Regierungszeit prophezeien. Das ist kein Wunder, Neuseeland lebt in einer Sphäre des Wohlstandes; Budget, Außenhandel und Produktion weisen gleichermaßen Überschüsse auf und mir weniger als 100 Arbeitslosen ist dem Lande auch auf diesem Gebiet der Weltrekord sicher. Aber nicht nur das Vor allem die Persönlichkeit des 56jährigen Ministerpräsidenten verheißt eine günstige Zukunft. Er, der selbst so spartanisch lebt, als wolle er einem Stafford Cripps Konkurrenz machen, liebt eine Politik der leichten Hand und ist ein Experte in landwirtschaftlichen und industriellen Fragen. Sein Kampf galt seit 1935 der "Bankrott-Regierung", wie er das Labour-Regime einmal nannte. Seine außenpolitische Konzeption ist nicht weniger klar: "Englands Kurs wird auch unser Kurs sein".

Hollands Freunde sagen, er sei zu ehrlich. Und es liegt ihm in der Tat nicht, aus den Fehlern seiner Gegner Vorteile zu dienen, obgleich er ein glänzender Debatter ist. Doch vielleicht trug gerade dies zu seinem Siege bei, in einem Staate, in dem die fairness in der Politik noch groß geschrieben wird. Der geschlagene Labour-Premier, Peter Fraser, wünschte als erster in einer Rundfunkansprache der Nationalpartei zu ihrem Erfolge Glück: "Das Volk hat seine Entscheidung gefällt", sagte er, "wir nehmen unsere Niederlage hin". Und Sidney Holland erwidert ihm mit dem gleichen Großmut: "Ich möchte meinem verehrten Widersacher Peter Fraser meine Hochachtung bezeugen. Wir werden stets die Zähigkeit bewundern, mit der er seine Partei führte".

Allein das Votum Neuseelands ist noch aus einem anderen Grunde bemerkenswert: Die erste Runde des dreiphasigen Kampfes zwischen Labour und Tories ging an die Konservativen. Im Januar wird Australien wählen, und bald darauf England. "Die Sozialisten kamen zuerst in Neuseeland an die Macht, dann in Australien und schließlich in Großbritannien erklärte der Führer der australischen Opposition Robert Menzies, "das dramatische Ereignis von Neuseeland scheint ein glückliches Vorzeichen dafür zu sein, daß sie in der gleichen Reihenfolge wieder abtreten werden." Ist es das wirklich? Zwar könnte das Programm Hollands unbesehen von Churchill für den kommenden Wahlkampf übernommen werden: "Gegen Kommunismus und Wohlfahrtsstaat, für Senkung der Steuern und Staatsausgaben, für Verbesserung der Ausfuhrchancen und Ersetzung der sozialistich kontrollierten Wirtschaft durch gesunden Wettbewerb." Aber der Wohlstand de, einen, die krisenhaften Sorgen der anderen Nation, die vierzehnjährige Labourherrschaft hier, die fünfjährige Arbeiter-Regierung dort und manches andere lassen alle Prophezeiungen über das Ergebnis der Gleichung: Wenn in Neuseeland ein Labour-Kabinett gestürzt wird, wie stehen dann dir Chancen für England? zu einem delphischen Orakel werden."