Grün ist die Kant, rot ist das Land weiß ist der Sand: Das sind die Farben von Helgoland! So hieß es einst. Heute haben Bombenteppiche das Grün der spärlichen Grasnarbe zerfetzt. Sprengungen schlugen tiefe Wunden in den roten Fels. Der weiße Sand ist von einer schmutziggrauen Staubschicht überzogen. Und täglich setzen Bomben und Meer, Technik und Natur das begonnene Vernichtungswerk fort. Doch noch könnte es aufgehalten werden. Einstimmig

nahm der Bundestag in der vergangenen Woche einen Antrag an, der die Bundesregierung ersucht, bei der Höhen Kommission die Rückkehr der Helgoländer auf ihre Heimatinsel zu erwirken.

"Helgolands Wiederaufbau muß in jedem Fall tief unten auf der Dringlichkeitsliste stehen", erklärte im vorigen Jahr die britische Militärregierung. Deutscherseits ist man anderer Meinung. Und damit wird Helgoland zum Musterbeispiel der sinnlosen Hypotheken, die das deutsch-englische Verhältnis belasten. Gewiß: Die Erhaltung der Insel ist keine Vorbedingung für die Gesundung Deutschlands, und Heuschnupfenkranke können sich auch anderswo kurieren; die Wiederbesiedlung wäre für das Flüchtlingsproblem nur ein Tropfen auf den heißen Stein, und es dürfte sich kaum ein. geeigneteres Übungsziel für die Royal Air Force finden lassen. Aber feststellt auch dies: Helgoland kann im Atomzeitalter nie wieder ein "Gibraltar des Nordens" werden, Ausweisung und Bombardement ruhen völkerrechtlich auf tönernen Füßen, ein Stück Heimat wird grausam – zerstört. Nein, Statistiken können diese Fragen nicht lösen; wirtschaftliche, politische und militärische Gesichtspunkte sie nicht entscheiden. Bei ihnen steht Aussage gegen Aussage, Argument gegen Argument, Helgoland jedoch ist für Deutschland eine Frage des Herzens.

Der britische Kriegsminister hat kürzlich auf Wunsch englischer Vogelliebhaber auf den Bau eines Bomber-Flugplatzes verzichtet, um die dort ansässigen Wildgänse nicht zu vertreiben. Daraus wollen wir nicht ableiten, daß das, was den englischen Gänsen recht ist, den deutschen Menschen billig sein müßte. Aber es wäre eine wahrhaft schöne Geste, wenn die Alliierten auch einmal in ihrer Deutschlandpolitik zeigten, daß sie nicht nur auf militärische Zweckmäßigkeiten, sondern auch auf menschliche Gefühle Rücksicht nehmen. C. J.