Die deutsche Kohlen Wirtschaft gleicht sich langsam in wesentlichen Zügen dem Durchschnittsbild der industriellen Lage an. Der Verlauf des zweiten Halbjahres 1949 hat aus dem Mangel fast schon ein Überangebot werden lassen. Zumindest konnten mit Ausnahme weniger Spezialsorten die unerträglichen Verkrampfungen gelöst werden, die Produktion und Lebensführung eingeschnürt hatten. Zur Vorbereitung des Übergangs von der Bewirtschaftung zur Marktwirtschaft hat das Bundeswirtschaftsministerium Ende November in Verhandlungen zwischen der Deutschen Kohlenbergbau-Leitung (DKBL) und dem Kohlengroßhandel der britischen Zone die Absicht verkündet, den sogenannten "zementierten Handelsweg" in der Kohlenwirtschaft aufzuheben. Künftig sollen dem Großhandel überlassen bleiben: erstens das Hausbrandgeschäft und zweitens bei der Belieferung von Industrieverbrauchern diejenigen Werke, die einen Jahresbedarf bis zu 6000 t haben.

Offiziell erfolgt die Aufhebung der Kohlenbewirtschaftung erst ab 1. Januar 1950. Praktisch ist sie bereits seit Beginn dieses Winters zumindest in den kohlennahen Gebieten außer Kraft, auch für den Hausbrand. Jedoch wird eine gewisse Übergangsregelung zugunsten von Eisenbahn, Binnen- und Seeschiffahrt, Hochseefischerei, Kraftwerken, Gaswerken, Eisen- und Stahlindustrie noch beibehalten.

Die Marktversorgung war schon in den letzten Monaten recht gut, und im Oktober wurden die vorgesehenen Zuteilungen innerhalb des Bundesgebietes mit über 106 v. H. erfüllt. Diese Auflockerung war möglich, sowohl infolge der im Herbst sich kräftig erhöhenden Tagesförderung als auch in Auswirkung rückläufiger Exporte. Aus dem stets in den letzten Jahren als unerfreulich empfundenen Kohlenexportzwangang ist schon fast ein Kampf um neue Exportmärkte geworden. Das Novemberergebnis, das am letzten Ultimo von der Alliierten Kohlenkontrolle mit mehr als 361 500 t Tagesdurchschnitt als "interessante und begrüßenswerte Verbesserung" bezeichnet wurde, berechtigt zu der Annahme, daß die deutsche Steinkohlenförderung in 1949 um einige Millionen über 100 Mill. zu liegen kommen wird. 1947 hatten wir 71 Mill., letztes Jahr 87 Mill. Jahresförderung erreicht gegenüber 117 Mill. tvergleichbarer Förderung 1936. Der Fortschritt ist unverkennbar und hat mit dazu beigetragen, daß die finanzielle Lage der Steinkohlenzechen langsam aus der fast aussichtslosen Illiquidität und Unrentabilität in die Bereiche schon annehmbarer Zahlenreihen gelangt.

In Westdeutschland hatten wir vor dem Kriege gut 40 selbständige Zechengesellschaften in inländischem Besitz, drei in Auslandsbesitz. Die erstrebte Neuordnung dieses Teiles der Montanwirtschaft sah deutsche Vorschläge mit einer Gesamtzahl von künftig 22 bis 24 Gesellschaften, alliierte Vorschläge mit 10 Gesellschaften vor. Während man einige Zeit glaubte, sich bei einer Zahl von künftig 15 Zechenunternehmen treffen zu können, dürfte es doch nach den neuesten Absprachen und Entwürfen etwa 18 werden. Auf alle Fälle bringt diese Neuordnung eine weitere Konzentration und in den Händen der DKBL eine Machtzusammenballung, wie sie früher weder einzelne führende Persönlichkeiten unter den Zechenbesitzern noch die Syndikate hatten.

Die Neuordnung, die parallel mit den "separatistischen" Bestrebungen der derzeitigen – mit Vertretern der Gewerkschaften paritätisch besetzten – Kohlenführung verläuft, krankt aber an dem großen Block hoffnungslos unrentabler Betriebe. Sie sollen den guten Zechen zwecks Verlustdeckung angehängt werden. Ihre roten Zahlen wurden dank einer konzernmäßigen Verflechtungmit Stahl, Eisen und Weiterverarbeitung oder Veredelung atomisiert.

Heute drücken diese Debetposten besonders schwer, obwohl die Fördersteigerung die Rentabilität bereits auf der ganzen Linie nicht unerheblich gebessert hat. Je t Kohle betrugen die Verluste im Herbst 1948 noch 3,44 DM, im März 1949 nur noch 1,63 DM, gingen im Juni 1949 auf 1,50 DM im Juli auf 1 DM je t zurück und dürften z. Z. bei etwa 0,75 bis 0,80 DM je t liegen. Diese Verluste werden bisher noch bei den Defizit-Zechen durch öffentliche Subventionen ausgeglichen.

In der Pressekonferenz der Alliierten Kohlen-Kontrolle vom 30. November erklärte der britische Chef, Mr.Collins, daß die derzeitigen Buchungskosten je t Förderung etwa 32 DM betragen, wobei nur die normalen Abschreibungen mit 0,50 DM je t und einige Zinssätze für Anleihen, nicht dagegen die gesamten kalkulatorischen Kosten für Kapitaldienst and Amortisationen berücksichtigt wurden. Dank dieser nicht marktechten Kostenbestimmung seien jetzt 65 v. H. der westdeutschen Steinkohlenzechen "gewinnbringend".