"Man glaubt bei uns, um die politische Micht im Staate kämpfen zu müssen, wenn man die Frage der Wirtschaftsform lösen will." (Herbert Groß, "Manager von morgenDroste-Verlag, Düsseldorf, 1949).

Wenn man die ersten Seiten von Herbert Groß "Manager von morgen" liest, glaubt man, eine Streitschrift vom Typ des Anti-Burnham vor sich zu haben, eine Widerlegung des in die Form der Theorie gekleideten Sieges des Technikers, des Mannes also, der nach Burnham allein die Produktionsgestaltung veranlaßt und die Wirtschaft bestimmt. Doch Groß bietet mehr. Er widerlegt wohl die Definition vom Manager, wie sie Burnham gab. Dies tut er aber nicht im des Widerlegens willen. Er will damit nur eine andere Auffassung vom Managertyp einleiten. Er untermauert, an Hand zahlreicher Beispiele aus den USA, seine These vom Managerkaufmann. Dabei sagt er mit Nachdruck, daß er keineswegs als Importeur amerikanischen Gedankengutes (das sowieso noch nicht ganz ausgegoren ist) auftreten möchte. Anregungen will er geben,

Was hat er nun an Anregungen zu bietet? Als wir kürzlich (am 17. November) Rüstovs "Zwischen Kapitalismus und Kommunismus unter der Überschrift "Gibt es den dritten Weg?" besprachen, hoben wir aus dem Buch des Heidelberger Professors einen Satz heraus: "Man schaffe ein Klima innerhalb der Wettbewerbsordnung, frei von sozialem Neid." Hier setzt Groß an. Es muß einen Typ des Wirtschaftlers geben, meint er, dem es gelingt, den ideologischen Kampf zwischen Kapital und Arbeit, zwischen Expropriateuren und Expropriierten, um es in der antiquierten Lehre von Karl Marx auszudrücken (100 Jahre ist das nun schon her...), zu einen Ende zu bringen; zu einem Ende, das für keine! Sieg oder Niederlage bringt, weil der Sieg irgendeiner Seite doch so unfruchtbar ist, daß er keines Fortschritt in Freiheit bringt. Zudem stimmt doch das Dogma von Kapital contra Arbeit gar nicht mehr: wo gibt es denn noch im Bereich der mit großen Kapazitäten arbeitenden Industrieproduktion das "Kapital" in der Hand des Kapitalisten, der zugleich Unternehmer ist und der mittels beider in sich vereinigten Eigenschaften die "Arbeit" ausnützt? Und umgekehrt, läßt sich die "Arbeit", heute dargestellt durch das Gewerkschaftsmonopol, im Marxschen Sinne ausnützen? Ist Partnerschaft nicht das Gegebene?

Weil zwischen Kapital und Arbeit heute der Managerkaufmann steht, eben der Mann, der – selbst vom Eigentum am Unternehmen weitgehend losgelöst – mehr Interesse an der Erhaltung des Unternehmens hat, denn an der Erhaltung irgendeines Kapitalanteiles (dies personifiziert betrachtet), ist er der ideale Typ, Partnerschaft zu vermitteln. Den Manager interessiert schon aus Gründen der eigenen soziales Sicherheit die Kontinuität des Unternehmens. Also interessiert ihn zwangsläufig ebenso wie die Kapitalseite die Arbeiterseite des Betriebes, weil er mit der Arbeiterschaft auskommen muß, soll die Kontinuität gegeben sein.

Wie man nun in den USA Partnerschaft – keineswegs Betriebssozialismus im Sinne sozialistischen Gedankengutes – propagiert und durchführt, das beschreibt Groß. Er geht von den Anfängen, den theoretischen und praktischen Studien wirtschafts- und arbeitswissenschaftlicher Institute aus; leitet dann über zur Darstellung der amerikanischen Industrie- und Betriebspolitik und zur Beschreibung der Position der Gewerkschaften, die den europäischen ideologischen. Kampf gar nicht kennen. Es folgt die Schilderung der ersten Partnerschaftsversuche, die "Ware Mensch", die nur mit Geld abzufinden ist, in den "Faktor Mensch" innerhalb des Unternehmens umzuwandeln. Das heißt, der Mensch muß mit seinen außerhalb der Geldsphäre liegenden Neigungen erfaßt werden. Dann zeigt Groß die andere Seite: Den Manager als Partnerschaftsmittler zu den Aktionären, zum Kapital also.

Weil nun mit der Partnerschaft die soziale Gestaltung von der politischen Ebene fort in die der Einzelunternehmung verlagert wird, bedarf die Partnerschaft der Pflege der öffentlichen Meinung. Man braucht "public relations".

Den Inhalt der Kapitel zu schildern, hieße, ein neues Buch schreiben. Daher sei hier nur allen, die es angeht, empfohlen, sich in "Manager von morgen" einzulegen. Nur müßten sich eben unsere Unternehmer, Abteilungsleiter, Politiker, Gewerkschaftsfunktionäre, Psychologen, Soziologen, Sozialphilosophen und Betriebs- wie Volkswirtschaftler aus ihrem Spezialistentum lösen.

Weinstein