Die Panne von Bonn ist behoben. Kanzler und Oppositionsführer haben eine Einigungsformel gefunden, und das parlamentarische Fahrzeug rollt wieder. Wir sollten uns jetzt bemühen, den ganzen Zwischenfall nebst seiner Vor- und Nachgeschichte aus unserer Erinnerung zu löschen; damit ist der Zukunft am besten gedient. Es kann uns gleichgültig sein, wer mit den Bemühungen um eine Aussöhnung begonnen, wer bei der Formulierung der Erklärung mehr nachgegeben, wer seinen Standpunkt besser gewahrt hat. Auch die mehr oder minder charaktervollen Äußerungen nach dem Vergleich wollen wir vergessen; sie würden sonst lediglich parteipolitisch mißbraucht werden. Es ist insbesondere der FDP zu empfehlen, aus diesem Lethequell gründlich zu trinken.

Daß allerdings die unparlamentarische "Spielart" parlamentarischer Methoden – wie der Führer der SPD seinen Wortwechsel mit dem Kanzler bezeichnet hat – nicht wieder zur Anwendung kommt, ist nicht nur wichtig, um das optische und akkustische Bild unserer Volksvertretung vor dem Volk zu korrigieren. Würdige Disziplin bei der Diskussion politischer Fragen zwischen Regierung und Opposition empfiehlt sich in unserer Lage schön deswegen, weil das von Dr. Schumacher betonte Weiterbestehen der scharfen Gegensätze leicht von der Innenpolitik auf die Außenpolitik überspringt. Der Fall der Internationalen Ruhrbehörde ist ein Musterbeispiel hierfür. Die Außenpolitik hat aber immer den Vorrang und muß, um dem Ausland gegenüber wirksam werden zu können, von einer stärkeren Majorität getragen sein als die Regierung. Das haben die Oppositionsparteien in England, Frankreich und Amerika eingesehen und richten sich danach. Sie haben gezeigt, daß man in außenpolitischen Fragen elastisch sein kann, ohne die eigenen Grundsätze innenpolitischer Ordnung aufzugeben. Sollte das nicht auch in Deutschland möglich sein? Wenn die Opposition ihre "Spielart" in dem Sinne wandelt, daß sie wenigstens im außenpolitischen Programm das deutsche Gesamtinteresse vor ihre Doktrin stellt. denn könnte man die überfordere Krise als ein – Anziehen wirklicher Heilung begreifen. C. D.