Es war für die deutsche Waggonbauindustrie und den Lokomotivbau eine große Erleichterung, als sie Ende November erfuhren, daß die von beiden Industrien der Bundesbahn gebauten "Brücken" durch persönliches Eingreifen des Bundes-Verkehrsministers von der Bundesbahn "abgenommen" wurden. Allerdings werden beide nur eingleisig ausgenutzt. Aber das dünne Rinnsal eines Auftragsprogramms ist in Tropfenform erhalten geblieben, bis ein echtes Auftragsprogramm anlaufen soll und muß.

Die Überbrückung (nach Auslaufen des alten vorjährigen Bauauftrages zu Ultimo dieses Jahres) ist bis 31. März 1950 befristet und für die im Fachverband Waggonbau zusammengeschlossenen 15 Werke auf 7,6 Mill. und für die Lokomotivindustrie auf 8 Mill. DM begrenzt.

Für die deutsche Eisen- und Stahlindustrie und die Weiterverarbeitung sind Eisenbahnaufträge seit jeher marktbestimmend gewesen. Sie sind aber infolge der Finanzlage der Bahn zu einem hauchdünnen Erinnerungsposten zusammengeschmolzen und bilden in ihrer mikroskopischen Größe jetzt geradezu einen Schlußpunkt hinter eine über die Jahrzehnte reichende Fieberkurve planloser Beschaffungsprogramme, Die deutsche Waggonbauindustrie, früher zu etwa 70 v. H. für die Reichsbahn tätig, stand um die Mitte dieses Jahres noch zu 35 v. H. in Arbeit für die Bahn und hatte für 25 v. H. der heute vorhandenen Produktionskapazität einen Überbrückungsvorschlag gemacht, der einen jährlichen Anteil von 60 bis 70 Mill. DM für Personen- und Güterwagen als Minimalbeschaffungsprogramm vorsah. Noch ist über dieses Mindestprogramm kein Entschluß gefallen. Aber man hat eine Zwischenbrücke gebaut und nun für drei Monate für 7,6 Mill. Reparaturaufträge an 15 Werke mit 8500 Mann Belegschaft vergeben. Damit ist das Allernotwendigste getan, um die Betriebe einigermaßen durchhalten zu können.

Doch der Fachverband Waggonbau will auch damit zufrieden sein, wenn die Bahn ab 1. April 1950 dieses Rinnsal durch ein der eigenen wie der Waggonbaulage entsprechendes Programm ablöst. Die Dreimonatsaufträge stellen ein Minimum dar und haben nur Sinn, wenn im Frühjahr 1950 ein neues, erweitertes und gemischtes Neubau- und Reparaturprogramm anläuft. Der Sorge, die Belegschaften Weihnachten entlassen zu müssen, ist man enthoben.

(oh)