Auf höhere Weisung hin bleibt der deutsche Zwang zum Eisenexport noch in engen Grenzen, wenn diese auch Anfang November ein wenig erweitert wurden. Man rechnet in Fachkreisen mit einer Ausfuhr von Walzwerksprodukten in Höhe von etwa 470 000 bis 480 000 t in 1949 und einem Ertrag daraus über etwa 230 bis 240 Mill. DM. Wie gering aber diese Mengen und Erträge für uns sind, zeigt ein Vergleich mit Vorkriegsergebnissen, vor allein, wenn man die heutige und künftig noch wesentlich kritischere Devisenlage in Betracht zieht. Im Durchschnitt 1935 bis 1937 exportierten wir jährlich rund 3,5 Mill. t Eisen und Eisenwaren ohne Maschinen und Elektrogeräte mit rund 870 Mill. RM Ertrag: im Durchschnitt 1928 bis 1930 waren es sogar 5,2 Mill. t Eisen und Eisenwaren für 1,7 Md. RM.

Die Direktiven der Alliierten erkannten uns bisher nur 330 000 t Walzwerksfertigerzeugnisse als Exportanteil zu, erhöhten dies zwischenzeitlich auf 650 000 t und Anfang November auf 900 000 t. Die Eisenwirtschaft ist der Auffassung, daß auch diese Sätze erheblich überschritten werden könnten, wenn man den deutschen Eisenwarenexport nicht widernatürlich hindern würde.

Als zu Herbstbeginn der Inlandsmarkt für Eisen und Stahl einen schweren Schock erhalten hatte, wurden von einzelnen Werken Exportabschlüsse zu fast unerträglichen Bedingungen eingegangen, nur um in Beschäftigung zu bleiben. Der Druck im Inland war vom Edelstahl ausgegangen und erfaßte zunächst die Qualitätsstähle, später fast die gesamte Produktion. Die Weiterverarbeitung verbrauchte ihre Lager, um liquider zu werden; die Großaufträge hörten sehr plötzlich auf; kleinere Objekte verkürzten die Lieferfristen, und die Käufer deckten sich nicht mehr langfristig ein. Außerdem begann ein Sortieren in Qualitäten derart, daß man aus Kostengründen nur noch die Güteklassen kaufte, die man gerade noch als ausreichend für die vorgesehenen Zwecke ansah. Man wanderte also "nach unten" ab. Die leichte Preiserhöhung für Form- und Stabstahl, die zum 1. Dezember wirksam wurde, die Lageraufzehrung, ferner gut anlaufendes Ostzonengeschäft und Exportabschlüsse, aber auch Aufträge aus dem Baumarkt gaben im November wieder einen Tendenzumschwung, der anhält.

Das Exportgeschäft aber ist auch aus einem anderen Grunde für die deutsche Eisenwirtschaft von allergößter Bedeutung. Der Exportanteil wird nicht auf die erlaubte Quote von 11,1 Mill. t Stahl angerechnet. Diese 11 Mill. sind nur für den Inlandsbedarf. Eine Steigerung der Ausfuhren aber bedeutet bei – hoffentlich weiter zunehmenden – Inlandsaufträgen eine Auftragsreserve für die neuen Stahlkapazitäten von 2 Mill. t aus dem Demontagestopp. Diese müssen im Verlauf von 1950 in die gesamtdeutsche Stahlproduktion organisch hineinwachsen, ohne daß sie die Beschäftigungs- und Ertragslage der deutschen Eisenerzeuger schwächen sollen. Rund 1 Mill. t Export bedeuten rund 1,15 Mill. t Kapazität, so daß wir auf natürliche Weise in eine Anlagegröße von rund 14 Mill. t hineinwachsen würden. Vorläufig aber dienen die geringen Ausfuhrmengen noch als eine kleine und dankbar empfundene Stütze der schwankenden Inlandsaufträge, wobei sie allein schon aus Gründen des Devisenanfalls beschleunigt gesteigert werden sollten. lt.