Die Pläne der Sowjetwissenchaften Die alljährliche große Tagung der sowjetischen Akademie der Wissenschaften ist kürzlich in Moskau beendet worden. Erschienen waren die Akademiker, viele korrespondierende Mitglieder und fast alle Leiter der vielen Institute, die der Akademie angegliedert sind. Den Höhepunkt und gleichzeitig den Abschluß der Tagung bedeutete die Verlesung des Arbeitsprogramms der Akademie für das kommende Jahr durch den Präsidenten, Professor S. Wawilow Er betonte in seiner Rede, daß dieses Programm im Zeichen des Aufbruches in den Kommunismus stehe und damit sein scharf profiliertes, charaktervolles Gesicht erhalte. Die Hauptaufgabe der Akademie – sie sei auch der Rahmen des ganzen Programms – bestehe darin, die Produktion des Staates, sowohl in der Industrie, als auch in der Landwirtschaft, mit allen Mitteln der Wissenschaft praktisch zu fördern und zu stützen. Alle anderen Sektoren, wie etwa die der Medizin, Biologie und so weiter sind vom Standpunkt der Nützlichkeit für den großen Produktionsprozeß zu betrachten und entsprechend zu fördern. Die Ergebnisse aller wissenschaftlichen Forschungen und Erkenntnisse müssen zutiefst in die Volkswirtschaft verwurzelt werden, denn nur diese ist in der Lage, dem Staat die notwendigen Machtmittel für seinen Kampf um das hohe Ziel zu geben. Und so müßten sich die Wissenschaftler mit Leidenschaft und Hingabe im kommenden – vielleicht schon entscheidenden – Jahr in diesem Sinne der wissenschaftlichen Schürfung nach den Weisungen des großen Führers und Lehrers Stalin widmen. Die Sowjetwissenschaft ist heute bereits die erste und fortschrittlichste der Welt und wird es auch bleiben, wenn sie sich weiterhin von den Theorien der Geistesriesen Marx–Engels–Lenin–Stalin inspirieren läßt...

Im einzelnen wurden noch folgende Punkte des Arbeitsprogramms genannt: Automatisierung des Produktionsprozesses; Probleme der modernen Biologie, besonders die Fragen Stoffwechsel und Vererbung betreffend; Bewässerung und damit Erschließung großer Gebiete in Zentralasien und im transkaukasischen Gebiet; Stalins Aktion "Umwandlung der Natur" (Bewaldungsaktion in den südrussischen Gebieten); Rekonstruktion Moskaus. Ferner laufen noch weitere 310 Probleme mittleren und kleineren Kalibers, und an wissenschaftlichen Expeditionen sind nicht weniger als 332 vorgesehen. Der Verlag der Akademie wird im nächsten Jahr 615 Bücher und Broschüren herausgeben, unter anderem die gesammelten Werke von Mendelejew in 24 Bänden, eine Neuausgabe von Darwins Werken in zwei Bänden, ferner erscheinen Werke von Lyssenko, Baikow, Komarow, Bernstein, Metschnikow. Und dann wird noch ein, wie betont wird, epochales und einzig dastehendes Werk das Licht der Sowjetwelt erblicken: "Die Völker der Erde" in neun gewaltigen Bänden, an denen gemeinsam genau 100 Sowjet Wissenschaftler – Ethnographen, Historiker, Linguisten, Archäologen, Kunsthistoriker und Anthropologen – zur. Zeit noch arbeiten. Allein die Völkerschaften der Sowjetunion füllen vier Bände, und verraten wurde auch noch, daß der Band "Afrika" mit besonderer Beleuchtung der kolonialen Ausbeutungsprinzipien der kapitalistischen Länder seiner Vollendung entgegensehe. Woraus man mühelos sich das charaktervolle Profil dieses Standardwerkes vergegenwärtigen mag. D.