Die Auswirkung der Abwertung fast aller Währungen auf die Preise für Rohbaumwolle und Baumwollfabrikate ist gegenwärtig für den deutschen Textilexport noch kaum übersehbar. Auf dem innerdeutschen Markt beeinflussen verschiedenartige Faktoren die Preise der Halb- und Fertigfabrikate in Baumwollwaren, unter denen die Preiserhöhung der Rohbaumwolle nur einer ist, und dieser hat lediglich die Tendenz des schrittweisen Preisabbaues zu verlangsamen vermocht.

Anders steht es auf dem noch weitgehend planwirtschaftlich organisierten Exportmarkt. Hier blieb der deutsche Exportindustrielle nicht nur hinter der ausländischen Spekulation, sondern auch hinter dem ausländischen Exportfabrikanten weiter zurück, und dieser Vorsprung konnte bisher wegen der fehlenden außenhandelspolitischen Voraussetzungen nicht verringert werden.

Auf dem Inlandsmarkt scheint neben dem Ausweichen auf die qualitäts- und preisstabile Zellwolle der vieldiskutierte Vorschlag der Zellwollbeimischung (bis zu 30 v. H.) eine einfache Lösung darzustellen; für den exportorientierten Baumwolldrucker ist, abgesehen von den technischen Schwierigkeiten, das Mischgewebe auf dem Auslandsmarkt unbrauchbar – nicht zuletzt wegen zolltariflichen Schwierigkeiten – und die Umstellung der Weber würde für ihn die Gefahr bedeuten, daß die meist kurzfristigen Exportaufträge nicht termingemäß zur Auslieferung gelangen könnten. Das Ausweichen auf ausländische Baumwollgewebe ist nach wie vor durch handelspolitische Schranken behindert und bietet zudem meist nicht mehr die preislichen Vorteile, da die Weber in Ländern mit abgewerteter Währung die Erhöhung ihrer Rohstoff kosten vielfach voll (teilweise auch mit Zuschlägen) auf ihre Preise abwälzen. Von der kalkulatorischen Seite her betrachtet, kann die Abwertung nicht die erwarteten Vorteile bringen. Wenn der Anteil der Gewebekosten in der Selbstkostenrechnung des Baumwolldruckers rund 70 v. H. ausmacht (der Anteil der importierten Hilfsstoffe, die meist aus Pfundländern stammen, kann gering veranschlagt werden), so bleibt von der 20prozentigen Abwertung der D-Mark im Exportpreis des Baumwolldruckers recht wenig übrig.

Da die Pfundländer, mit denen der deutsche Drucker produktionsmäßig auf gleicher oder höherer Stufe steht, um 10 v. H. höher abgewertet haben und sich zudem in zeitlichem und handelspolitischem Vorsprung befinden, besteht gegenüber diesen eher eine schlechtere Situation als vor der Abwertung, vor allem wegen der verschärften Konkurrenz Englands und Japans. Der produktionsmäßige Vorsprung der USA anderseits kann mit einer Wechselkursänderung nicht aufgeholt werden. Hier muß der deutsche Drucker auf dem Gebiet der Rationalisierung und der Spezialisierung Konsequenzen ziehen.

Gegenwärtig zeichnet sich noch keine klare, zielsichere Chance für den deutschen Baumwolldrucker auf dem Exportmarkt ab. Die bisherigen Exporte seit dem 19. September nach Nordeuropa, dem Mittleren Orient und Afrika sind nicht viel mehr als erfreuliche Einzelfälle. Der exportorientierte Drucker kann nur immer wieder den Hebel im eigenen Betrieb ansetzen, um besser, schneller und in seinem Rahmen billiger die verschiedenen Märkte der Welt nach ihren Eigenarten zu beliefern, um die geringen Preisvorteile durch gesteigerte Umsätze zur Erreichung der gleichen oder eines höheren Dollarbetrages ausnutzen zu können. Was er wünscht und erwartet, sind die handelspolitischen Voraussetzungen für die Anstrengungen seiner Mitarbeiter und seiner Exportkaufleute.

H. Habig jr., Herdecke-Ruhr