Der deutsche Bundespräsident Dr. Heuß hat zwar erklärt, eine solche Hypothese sei absurd, Deutsche seien nicht geschaffen einen Bürgerkrieg zu führen. Wir widersprechen dem deutschen Bundespräsidenten gewiß nicht gern, aber man möge uns erlauben, bescheiden anzumerken, daß es im Laufe der deutschen Geschichte wir wenige Perioden gegeben hat, in denen Deutsche nicht auf Deutsche geschossen haben.

Es spricht also nicht nur eine verständliche Sehnsucht des deutschen Volkes nach einem friedlichen Dasein, sondern Vernunft selbst dagegen, heute eine Aufrüstung Westdeutschlands zu erwägen oder gar zu erörtern. "Ein amerikanisches Bataillon in Berlin ist dem Weltfrieden heute dienlicher als eine ganze deutsche Division", sagte kürzlich ein offizieller amerikanischer Sprecher in Frankfurt, und Hamburgs Bürgermeister Brauer hat aus dem gleichen Gesichtspunkt heraus in einer Rede in den Vereinigten Staaten erklärt, es wäre gut, wenn amerikanische Truppen noch lange in Deutschland blieben. Wir wollen hinzufügen: Die USA werden nicht an Elbe und Rhein, sondern Elbe und Rhein wenden in den USA verteidigt. Je stärker die militärische Macht der Vereinigten Staaten wird, je bessere Waffen sie an die Mächte des Atlantipaktes abgaben können, desto größer wird die Sicherheit Westdeutschlands sein, desto eher wird auch ganz Deutschland zu einem Frieden kommen.

Richard Tüngel