Die deutsche Bundesrepublik hat den Vertrag mit der Marshall-Plan-Verwaltung vorbereitet. Damit wird die Unterschrift unter ein Dokument gesetzt werden, das uns mehr Vorteile als Nachteile verheißt, Der Nachteil, den die sowjetische Zone in ihrer Propaganda für den Hausgebrauch überbetont, ist die – mögliche – Verschuldung an die USA. Und, sagt man in der Ostzone, die politische Rechnung würde dafür präsentiert werden. "Marshall-Kolonie" ist noch der harmloseste Ausdruck.

Nur, wäre zu fragen, wo würde Westdeutschland heute stehen, ohne GARIOA, ohne ERP, ohne STEG? Man braucht keine Analyse der westdeutschen Wirtschaftsstruktur, um die eindeutige Antwort zu erteilen, daß ohne die alliierte Hilfe nach Oberwindung der Morgenthau-PIanung (es gibt noch immer Morgenthau-Vertreter!) der deutsche Wiederaufbau seit der Währungsreform und die Zeit des "Überlebens" bis dahin nicht durchgestanden worden wäre, Großbürgern statt Hocharbeiten war weder politisch noch wirtschaftlich oder sozial bei unseren Verhältnissen denkbar Selbstverständlich haben die Geldneuordnung und die Wirtschaftspolitik danach nicht weniger kräftigdazu beigetragen, die Erholung einzuleiten. Aber die Auslandshilfe brachte einen Großteil der gutermäßigen Untermauerung hierfür. Und was die Verschuldung angeht, so braucht sie nur aus echten Exportüberschüssen getilgt zu werden. Bis dahin wirkt der amerikanische Gläubigeranspruch als Sperrhypothek mit Vorrang vor Ansprüchen anderer Länder bei Friedensvertragsverhandlungen.

Zudem löst die deutsche Unterschrift faktisch ja nur die Unterschriften der drei Zonenbefehlshaber ab. Im technischen Ablauf – und über die Technik des ERP läßt sich sehr streiten, weil die Art der Hilfe auch für den wirtschaftlichen Effekt bestimmend ist; und die Amerikaner wie die Europäer lernen erst, diese Technik richtig anzuwenden – im technischen Ablauf ändert sich bis auf einen Punkt nichts. Dieser Punkt ist die Verfügungsfreiheit über die DM-Gegenwerte. Sie entstehen dadurch, daß für die Lieferung der Marshall-Güter keine Devisen – vorläufg – zu transferieren sind, der Importeur die Ware aber gegen D-Mark zu übernehmen hat. Dieses Geld floß bisher auf ein Konto zur Verfügung der Militärgouverneure bei der Notenbank. Sie war insoweit nur Rechnungsführer der Allierten. Nunmehr fließen die Summen in die BdL zugunsten der deutscher Regierung. Sie kann jetzt die Gegenwerte nach Abstimmung mir dem Washingtoner Vertragspartner über die Kreditanstalt für Wiederaufbau investieren, ohne Zwischenschaltung der Besatzungsdienststellen. Es handelt sich hier aktuell um die Übernahme von 1,4 Mrd. DM Guthaben, denen 700 Mill. DM Schulden, als da sind Vorschüsse an die Bundesbahn, die Wiederaufbaubank und die Berlin-Hilfe (diese mit einem dicken Batzen) gegenüberstehen. Monatlich kommen nach amerikanischer Ansicht, im Durchschnitt gerechnet 250 Mill. investitionsfähige D-Mark hinzu. Mit anderen Worten: die langersehnten Freigaben von bereits vorgeplanten 600 Mill. DM für deutsche Investitionszwecke sind in Kürze zu erwarten. Damit wird der teildeflationistische Prozeß, der aus dem Auflaufen der Gegenwerte resultiert, abgelöst von einer leistungssteigernden Förderung der Basisindustrien: zur Konjunkturbelebung. W–n.