Rommels letztem Stabschef, seinem schwäbischen Landsmann Dr. Hans Speidel, der, aus dem Generalstab hervorgegangen, seine soldatische Laufbahn als Generalleutnant beendete, verdanken wir die dokumentarisch genaue, sachlich erschöpfende Darstellung der militärischen und politischen Sachverhalte der Invasionszeit. Seit Buch "Invasion 1944" (Rainer Wunderlich Verlag Hermann Leins, Tübingen und Stuttgart) ist zugleich eine durch, ihren menschlichen Gehalt den Leser stark berührende Würdigung des Soldaten Erwin Rommel, der ja, wie wir hier erfahren, doch mehr war als ein Truppenführer von höchster taktischer Befähigung: nämlich ein Mann von Herz und Charakter und damit auch von politischer Einsicht, erfüllt von dem ehrlichsten Willen, das einmal für richtig Erkannte durchzuführen und dem Regime des Terrors, der Rechtlosigkeit und der dilettantischen Kriegführung gewaltsam ein Ende zu bereiten.

Wichtig bleiben in diesem Zusammenhang die Angaben Speidels, wonach aus der Truppe heraus, die an der Invasionsfront – wie von Tag zu Tag deutlicher wurde – auf verlorenem Posten kämpfte und sich um eines Phantoms und eines Phantasten willen aufopfern mußte, mannigfache Anregungen an die höheren Kommandostellen gegeben worden sind, endlich "selbständig zu handeln". Das Verhängnis war, daß Rommel, dessen Entschlüsse für die Herbeiführung eines Waffenstillstands im: Westen: und für die alsbaldige Beendigung des Krieges in allen wesentlichen Punkten festlagen und im Kreise der Eingeweihten abgesprochen waren, im entscheidenden Momentwegen seiner schweren Verwundung nicht mehr zum Handeln kam,

Ernst Jünger hat dem Buche ein Geleitwort mitgegeben, das zugleich ein Urteil über die Persönlichkeit des Autors darstellt, wie es ehrenvoller kaum gedacht werden kann. Damit; ist Speidel freilich nur Gerechtigkeit widerfahren. Denn auch die Kraft und Würde seiner eigenen Darstellung ist zu einem wesentlichen Teil bedingt durch sein Vermögen, knapp und klar in der Diktion, dabei aber mit großherziger menschlicher Anteilnahme die Charaktere der Männer zu schildern, die an dem Geschehen jener Sommermonate besonderen Anteil hatten. An keiner Stelle des Buches hat man den Eindruck, daß der Verfasser heute sein Urteil und seine Ansichten, modifiziert, seine Darstellung nachträglich zurechtgebogen habe. Dieser Mann hat damals schon gewußt, wie es stand und mit wem er es zu tun hatte; er brauchte nicht umzulernen E. T.