In den Volksdemokratien ist im laufenden Schuljahr, dasim Herbst begonnen hat, die russische Sprache Pflichtfach geworden. Im offiziösen Szabad Nep begründete der ungarische Staatssekretär für Unterricht, Nandor Szavai, dies damit, daß Russisch "die Sprache Lenins, Stalins und Gorkijs" sei und daß "die beispiellosen Errungenschaften des fortschrittlichsten Landes der Welt, nämlich der Sowjetunion, auf allen Gebieten des sozialen Lebens" mir nutzbar gemacht werden könnten, wenn man die russische Sprache beherrsche. Die ungarische Bevölkerung, die auch ohnedies bereits die Nutzbarmachung einiger solcher Errungenschaften, der Säuberungsprozesse etwa, des Parteiterrors und des Produktionsrückgangs, miterlebt hat, scheint allerdings anderer Meinung zu sein als das Unterrichtsministerium. Denn wie man aus dem gleichen Artikel des Staatssekretärs erfährt, hatten die Schüler im vergangenen Schuljahr, als die Fremdsprachen noch Wahlfächer waren, zu 56 v. H. Deutsch; zu 50 v. H. Englisch, zu 12 v. H. Französisch und nur zu 2 v. H. Russisch belegt. Der hohe deutsche Anteil, der im Anblick einer tobenden deutschfeindlichen Propaganda, die die Regierunesstellen in den letzten Jahren betrieben haben, sehr bemerkenswert ist, erklärt sich daraus daß Deutsch seit mehr als einem Jahrhundert die Sorache ist, in der sich die Völker des Donaubeckens miteinander verständigen und auf die auch die Kommunisten bei ihren interiatellitären Konferenzen bis in die letzte Zeit nicht verzieren konnten. Daß aber die Schüler jede andere Weltsprache der russischen bei weitem vorziehen, bat noch eine andere Pointe. Sprachen lernt man richt für dieses und fürsnächste Jahr, sondern fürs Leben. A. Krieseh