Die Reisesaison dieses Jahres hat nun doch mehr gehalten, als man nach dem schlechten Auftakt erwarten konnte. In der Rangfolge steht das Reisen zum Glück also nicht an letzter Stelle, ist doch die Erholungsreise ein wichtiger Faktor der Arbeitsleistung. Allerdings haben die am Reiseverkehr beteiligten Wirtschaftskreise alles aufbieten müssen, um die finanziellen Ansprache zu verringern. Die Bundesbahn hat sich zu Urlaubskarten mit hohen Fahrpreisermäßigungen entschlossen und außerdem im größten Umfange Sonderzüge gefahren. Das Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe hat bei Beschneidung eigener Ansprüche alles darangesetzt, um gute Verpflegung und behagliche Unterkunft zu gewähren. Die Verkehrszunahme und vor allen Dingen die erfolgreiche Nachsaison waren also nicht nur durch das günstige Wetter bedingt, vor allen Dingen waren sie eine Anerkennung für die Leistungen des Fremdenverkehrsgewerbes.

In Auswirkung dieser Tatsache hatte sich die im Frühherbst in Wiesbaden durchgeführte Tagung der Deutschen Hotelgruppe im internationalen Hotelbesitzer-Verein besonders mit der Frage der sozialen Touristik befaßt. Denn die Zukunft des deutschen Fremdenverkehrs kann nicht allein im Luxusverkehr gesucht werden, wenn er auch in jeder Hinsicht unterstützt werden muß. Vielmehr zwingen wirtschaftliche und nicht zuletzt auch sozialpolitische Gründe dazu, dem Erholungsverkehr der breitesten Schichten größere Aufmerksamkeit zu schenken. Dieser Erholungsverkehr soll aber nicht zu einem Massenverkehr werden; Er soll die individuellen Ansprüche des einzelnen Gastes achten und dadurch die gefühlsmäßigen Wirkungen der Reise vertiefen.

Auch der internationale Reiseverkehr steht vor der gleichen Aufgabe. Die aus dem Auslande zu erwartenden Besucher dürften zukünftig in den bürgerlichen Häusern eine weit größere Rolle spielen als bisher. Für die Verbesserungeen dieses Verkehrs wird eine engere Zusammenarbeit der Hotels notwendig sein. Die früheren internationalen Zusammenschlüsse sind inzwischen aufgelöst worden. Seit 1946 besteht eine neue Vereinigung die die Aufgaben der beiden Verbände, jedock vorläufig ohne Mitwirkung Deutschlands, übernommen hat. Die deutsche Gruppe hat nunmehr ihren Namen in "Deutsche Vereinigung internationaler Hotels und verwandter Betriebe" umgeändert und damit die Voraussetzung geschaffen, daß demnächst auch Deutschland über die Internationale Association wieder Anschluß an die internationale Hotellerie bekommt, –m.