Togliatti & Co.

F. G. Rom, im Dezember

In Turin und Rom gibt es zwei ganz vorschriftsmäßig ins Handelsregister eingetragene Gesellschaften, die sich mit Ex- und Import befassen: die eine, die "Nord-Export", wild von Signor D’Oro – einem eingeschriebenen Mitglied der KPI –, die andere, die "Simes", von Pan Heller geleitet, einem Polen, der im römischen KP-Hauptquartier frei ein- und ausgeht. Die "Nord-Export" und die "Simes" sind die beiden bedeutendsten Geldgeber der Partei Togliattis: in ihren Büros werden die Millionen registriert, mit denen das Kominform die "proletarische Avantgarde" der Halbinsel organisiert...

In regelmäßigen Abständen haben die Kreml-Herrscher in den vergangenen Jahren den Schlachtruf nach Intensivierung der Außenhandelsbeziehungen zwischen Osten und Westen ertönen lassen. Die ideologischen Zwistigkeiten mit den "krisenheimgesuchten Kapitalisten" hindenen die Moskauer Staatsmonopolisten nicht, hin und wieder ein Geschäftchen mit ihnen abzuschließen! Nie zum Nachteil der geschäftstüchtigen Stalinisten natürlich.

Italien, das durch den Friedensvertrag gezwungen wurde, seine Reparationszahlungen an die UdSSR in Gütern vorzunehmen, gelang es in monatelangen Verhandlungen, Erleichterungen dergestalt zu erreichen, daß die Sowjets Rohmaterialien lieferten und die Italiener ohne Entgelt die Fertigwaren zurückschickten; die Entschädigungen für den Arbeitsaufwand wurden auf Reparationskonto gutgeschrieben. Aus diesem Brauche entwickelten sich mit der Zeit vielgestaltigere zweiseitige Handelsverträge, die dann später auch auf die Satellitenstaaten ausgedehnt wurden. Die italienischen Ausfuhren in die Länder des östlichen Bannkreises haben in den ersten acht Monaten dieses Jahres ungefähr 30 Millionen Dollar betragen, die in die Länder der westlichen Welt das 25fache. Dieser Unterschied veranlaßte in den letzten Wochen verschiedene kommunistische Abgeordnete des Tiberuferparlaments, De Gasperis Regierung der "Sabotage an der friedlichen Entwicklung der Außenhandelsbeziehungen mit den Volksdemokratien" zu bezichtigen. Zunächst betrachtete man diese Äußerungen als Teil einer hinlänglich bekannten Phraseologie der demagogischen Scharfmacherei – und erst in diesen Tagen kam man dahinter, daß die Volksvertreter der KPI tatsächlich ein direktes Interesse an der Ausdehnung der Handelsbeziehungen mit den östlichen Staaten haben. Die Bilanzen der "Nord-Export", der "Simes" und anderer in kommunistischen Händen befindlicher und kommunistisch geleiteter Außenhandelsfirmen lösten das Rätsel.

Daß die KPI nicht nur die bestorganisierte, sondern wohl auch die wohlhabendste politische Partei Italiens ist, war schon lange bekannt. Niemand außerhalb der kommunistischen "Massen" selbst glaubte den Erzählungen Togliattis. daß die Reichtümer aus den "Arbeitergroschen" kämen. Tatsächlich ist es der italienische Handel mit den Ländern östlich des Eisernen Vorhangs, der die KPI finanziert. Der Vorgang ist ebenso einfach wie legal: Die osteuropäsichen Staaten schließen die individuellen Handelsverträge nur mit denjenigen italienischen Firmen ab, die auf einer – ihnen von Moskau gelieferten – Liste verzeichnet sind: eben jenen Firmen, die direkt oder indirekt mit dem Handelsbüro des KPI-Hauptquartiers zusammenarbeiten. Sofern es sich um Privatfirmen handelt, müssen sich diese ihre bevorzugte Stellung in der Weise erkaufen, daß sie einen Teil ihrer Geschäftsgewinne an die KP abliefern; handelt es, sich jedoch um Firmen, die die Partei selbst kontrolliert, so zieht diese den totalen Profit ein.

Moskau schlägt dank diesem fein ausgeklügelten System zwei Fliegen mit einer Klappe: einmal erweitert es kraft der Anstrengungen der verdiensteifrigen italienischen Genossen seinen Außenhandel, zum anderen finanziert es fast kostenlos den riesigen Verwaltungsapparat der kommunistischen Filiale in Rom. Es ist begreiflich, daß die KPI nichts unversucht läßt, die Profite zu erhöhen. Wieweit das gelungen ist, zeigen die folgenden Vergleiche: Während Italien von Januar bis August 1948 für 978 Millionen Lire in die UdSSR ausführte, stieg die Ausfuhr in derselben Periode dieses Jahres auf 4 883 Millionen, also fast das Fünffache; die entsprechenden Zahlen für die Ausfuhren nach Ungarn sind: 825 Millionen Lire für 1948 und 2 479 Millionen für 1949, also das Dreifache. Für die anderen Oststaaten sind die Zunahmen geringer; im ganzen sind die Exporte – immer für die angeführten Perioden – von 12 auf 19 Milliarden, Lire gestiegen. Und von diesen Summen hat die KPI beträchtliche Profite und Provisionen eingezogen. Wenn man außerdem bedenkt, daß dieses System auch im umgekehrten Sinne funktioniert – daß also die osteuropäischen Staaten sich vorzugsweise derselben italienischen Firmen bedienen, um ihre Erzeugnisse nach Italien einzuführen –, wird die Herkunft der kommunistischen Parteireichtümer noch begreiflicher. Aus einem Seideverkauf an Polen allein soll die KP 90 Mill. Lire Provision bekommen haben.