Gleichheit vor dem Gesetz ist eine der Grundregeln des modernen Rechtes, mindestens in den demokratischen Staaten. Wenn die auf dem Kontrollratsgesetz Nr. 10 basierende Rechtsprechung nicht von vornherein als Sonderrecht für die Besiegten in Verruf geraten soll, so muß deshalb das dort erstmalig definierte "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" wirklich ohne Ansehen der Person geahndet werden, wo immer es begangen wird. Im Fall des tschechischen Kommissars Frantisek Kroupa ist diese sehr berechtigte Forderung jedoch rundweg abgelehnt worden.

Kroupa, der in St. Joachimstal in der Tschechoslowakei im Mai 1945 als sogenannter Kommissar tätig war, hat wie viele eidesstattliche Erklärungen sudetendeutscher Flüchtlinge dieser Gemeinde beweisen, damals eine grauenhafte Schreckensherrschaft ausgeübt. Es liegen Zeugnise vor über sadistische Folterungen und Erschießungen und bis ins einzelne gehende Beschreibungen über den Mord an Max Steinfelsen, der auf Kroupas Befehl auf dem Marktplatz des Ortes erhängt wurde – ein Schauspiel, an des die Gemeinde gezwungen wurde, vollzählig teilzunehmen, Kroupa, der inzwischen seine Heimat hat verlassen müssen, war im März des Jahres von der deutschen Polizei im Lager Murnau verhaftet worden, mußte aber nach drei Tagen-Frieder freigelassen werden, weil die DP’s der deutschen Gerichtsbarkeit entzogen sind. Inzwischen ist nun das Gesuch des bayrischen Innenministeriums, ein Ermittlungsverfahren durchzuführen, von dem amerikanischen Landeskommissariat abgelehnt worden mit der Begründung, nach amerikanischem Recht könnten Verbrechen nur in dem Land abgeurteilt werden, in dem sie begangen wurden. In diesem Fall Sondergerichte zuständig gewesen, die aber inzwischen ihre Arbeit eingestellt hätten, und daher mit einem Verfahren gegen Kroupa nicht mehr befaßt werden; könnten.

Unwillkürlich drängt sich die Frage auf, was wäre wohl geschehen, wenn Kroupa in der Tschechoslowakei Kriegsverbrechen an Gefangenen oder einrückenden Alliierten begangen hätte? Es ist anzunehmen, daß er dann, sofort nach seinem Auftauchen im Lager Murnau, vor eines der damals ja noch tagenden alliierten Sondergerichte gestellt oder direkt von den US-Militärgerichten abgeurteilt worden wäre. Da nun die Verbrechen, deren Kroupa beschuldigt wird, nach der Kapitulation Deutschlands begangen wurden, also zu einem Zeitpunkt, in dem die Alliierten die oberste Regierungsgewalt in Deutschland und damit auch den Schutz der Bürger dieses Landes übernommen hatten, wären sie im Grunde verpflichtet gewesen, Kroupa zur Rechenschaft zu ziehen. Inzwischen ist nun die Bundesregierung errichtet worden, die mit einigen Einschränkungen wieder den Schutz der deutschen Bürger übernommen hat. Zwar unterstehen die DP’s bisher nicht der deutschen Gerichtsbarkeit, aber der Fall Kroupa, gegen den so schwerwiegende Beschuldigungen wie Mord, Folterung. und körperliche Verstümmelungen erhoben werden, ist zweifellos ein. Sonderfall. Nachdem versäumt worden ist, Kroupa rechtzeitig vor ein alliiertes Sondergericht zu stellen, gibt es jetzt nur noch die Möglichkeit, daß die Alliierter ihr Recht an ein deutsches Sondergericht delegieren. Jedenfalls geht es nicht an, daß Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht untersucht werden, nur weil angeblich niemand zuständig ist. Dff