C. O. S. Stockholm, im Dezember

Seiten ist der verbissene Charakter der handelspolitischen Selbstbehauptung Englands so deutlich zutage getreten wie jetzt, da London in den Hauptstädten des Nordens einen Vorschlag überreichen ließ, eine Vereinigung Uniscan zwischen Großbritannien und Skandinavien, als Gegenstück zur Benelux, zu gründen. Der Name allerdings ist irreführend. In Wirklichkeit handelt es sich nur um Vorschläge zur Erleichterung des Zahlungsverkehrs mit Skandinavien, Zäh kämpfen die Engländer gegen eine Entwicklung, die ihren Wünschen so wenig Rechnung trägt; um so bitterer ist es für sie, wenn die skandinavischen Kommentare vorläufig reichlich kühl und skeptisch ausfallen. Wer aber könnte ernsthaft glauben, daß sozusagen aus dem großen handelspolitischen Kuchen die Rosinen "Zahlungsverkehr" so einfach herausgepickt werden können? Geld und Ware sind voneinander abhängig, man kann sie nicht trennen. Es gibt kein Geld- oder Währungsproblem, das nicht im Grunde ein Problem des Warenaustausches wäre,

England hat in Skandinavien von einer gewaltigen Nachkriegskonjunktur profitiert. Deutschland fiel als alter Handelspartner aus. Die steigende Dollarnot zwang Skandinavien Immer mehr, sich an das englische Pfund zu halten. Der Warenaustausch schwoll an, so daß Schweden heute mit einem Pfundguthaben von runden 40 Millionen dasteht, aber gar nicht weiß, was es damit anfangen soll. Hinzu kommt noch, daß seit der Abwertung neue Dollarhoffnungen in Skandinavien erwacht sind und Deutschland wieder als beachtenswerter Handelspartner aufgetaucht ist.

Über kurz oder lang wird der deutsch-skandinavische Handel einen Umfang erreichen, der auf Kosten Englands gehen muß, denn das englische Skandinaviengeschäft der Nachkriegsjahre war zumindest in seinem augenblicklichen Umfang und seiner Preisgestaltung zeitbedingt und die Konjunktur befristet.

So schreiben jetzt schwedische Zeitungen, man denke nicht daran, sich an England ketten zu lassen durch irgendwelche wohlklingenden Uniscan-Pläne, gerade jetzt, da der Deutschlandhandel so vielversprechend anlaufe und auch die schlimmste Dollarnot vorbei. zu sein scheine. "Warum uns binden", heißt es weiter, "wenn wir im offenen deutsch-englischen Konkurrenzkampf besser abschneiden?"

Uniscan müßte schon ein sehr viel sachlicher fundierter Plan sein. sollte er in Skandinavien auf Entgegenkommen stoßen. Wenn New Statesman and Nation meint, Westdeutschland passe in die Uniscan-Pläne nicht hinein, es könne nur das Gleichgewicht in einem solchen System stören, so ist diese Feststellung ehrlich in ihrer Tendenz, aber zugleich wirklichkeitsfremd. Denn eine regionale Blockbildung mit dem stillen Hintergedanken, eine gesunde Konkurrenz ausschalten zu wollen, kann nicht mehr zustande kommen. Dafür ist es zu spät.