Mitten in die Weihnachtsbescherung hinein schepperte die Glocke der Haustür. Es stand ein Mann draußen, der den Vater fragte, ob wir eine Leiter hätten. Und er sagte weiter: "Es fehlt eine Leiter für den Mast in den Dünen!" Und während der Mann in der Tür stand, drängte ein ungestümer Wind vom Meer her ins Haus. Und die Mutter rief: "Macht die Tür zu..."

"Es kreuzt nämlich draußen ein Schoner", sagte der Mann zum Vater weiter, "und wir wollen Leinen vom Rettungsmast hinüberschießen. Denn der Schoner wird bestimmt stranden."

"Wir kommen sofort mit der Leiter!" entgegnete der Vater. Er sagte "wir" –, und das konnte nur er sein und ich, der Knabe. Es gab kein anderes "Wir" im Haus, das nachts auf die Dünen hätte hinaufsteigen können.

Die Weihnachtsbescherung blieb diesmal in der Luft hängen. Was war alles Spielzeug, im Vergleich zu der Ungeheuerlichkeit des Ereignisses: ein Schoner würde an unserer Insel stranden.

Die Mutter nannte den Vorgang einen "Schiffbruch". Und sie erzählte von anderen Schiffbrüchen, von denen die Chronik wußte. "Seht euch vor, wenn sie die Leinen nach See hinausschießen ... Und der Junge –, was braucht der Junge dabei zu sein, er ist noch viel zu klein..." Aber während sie dies sagte, suchte sie schon meinen Mantel heraus und den Schal und die warmen Handschuhe. Und den Pudel zog sie mir vor lauter mütterlicher Besorgtheit so über den Kopf, daß ich fast nichts mehr sehen konnte.

Die Nacht heulte über dem Meer wie ein Ungeheuer, das gegen die Küste anreitet. Die Dunkelheit war wie ein zerfetzter Teppich über alle Dinge geworfen.

Der Vater trug die Leiter. Ich durfte mich an ihr festhalten. Ich ging in seinem Windschatten, und es verschlug mir fast den Atem. Aber es war mir, als trüge ich die Leiter gleich ihm – die Leiter, die sie für den Rettungsmast brauchten. Blaß und drohend wälzte sich die Brandung heran. Sie schien sich in den Dünen fortzusetzen und erst allmählich im Bauch der Insel im Sand zu erstarren.