Jerusalem, so noch gebaut da droben" ist in diesen weihnachtlichen Tagen keineswegs das Symbol des Friedens und der Versöhnung einer 2000jährigen Christenheit, sondern verkörpert vielmehr "den unerschütterlichen Willen und die Entschlossenheit" des jungen israelitischen Staates, In fieberhaftem Eifer ist die Regierung bemüht, die Ministerien und den Sitz des Ministerpräsidenten von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, wobereits am 26. Dezember die erste Sitzung des Parlaments stattfinden soll. Während der Treuhänderrat der UNO noch über die Einzelheiten der Internationalisierung debattiert, hat Ben Gurion Jerusalem zum Regierungssitz des Landes erklärt. Zion, seit Jahrtausenden die Sehnsucht des jüdischen Volkes, an den Wassern zu Babel gesungen und Generationen lang als tröstlicher Traum in den Gettos von Osteuropa und in dem Lärm amerikanischer Großstädte geträumt – Zion ist die Hauptstadt Israels geworden.

Wer wollte diese Tatsache wieder aus der Welt schaffen? Ja, wer – sofern er auch nur einiges Realitätsgefühl besitzt – konnte überhaupt auf Gedanken kommen, daß der Plan einer internationalen Kontrolle Jerusalems in die Tat umgesetzt werden könnte? Amerika, England und Frankreich die inzwischen gelernt haben, daß das Mögliche in der Politik heutzutage auch das moralisch von niemand gebilligte Fait accompli einschließt, haben in der UNO-Abstimmung gegen die Internationalisierung Stellung genommen, Vielleicht haben sie mittlerweile festgestellt, es ebenso schwer ist, Beschlüsse der UNO wie das neue kodifizierte Völkerrecht, außerhalb des Kreises besiegter Nationen, durchzusetzen. Vor zwei Jahren, im November 1947, hatte die General Versammlung der UNO die Teilung Palästinas und die Internationalisierung Jerusalems beschlossen. Nicht aber dieser Beschluß, sondern der jüdisch-arabische Krieg vollzog die Teilung de facto, und das Resultat wurce, ohne daß Anklage wegen Führung eines Angriffskrieges erhoben worden wäre, de jure anerkannt. Wenn es also verhältnismäßig einfach geht, warum soll man sich dann auf komplizierte Verhandlungen einlassen, war die Lehre, die die Akteure von damals aus den Ereignissen zogen, und damit muß man sich jetzt abfinden. Dff