Australien stellt sich um

Die englischen Konservativen triumphieren: Nach Südafrika, Kanada und Neuseeland hat nun als letztes der „weißen“ Dominions auch Australien sich nach acht sozialistischen Jahren eine liberal-konservative Regierung gegeben. Im Parlament, das man wegen der Bevölkerungsvermehrung für diese Wahl von 74 auf 121 Sitze vergrößert hat, verfügen nun 52 Liberale, Angehörige der 1944 umgetauften Konservativen Einheitspartei, und 21 Landparteiler über die absolute Majorität gegenüber 48 Sozialisten.

Die Hintergründe dieses Umschwunges sind lehrreich und interessant. Die Australier könnten sich über die Erfolge ihrer sozialistischen Regierungen wahrhaftig nicht beklagen: Das Land ist reich, das Einkommen in allen Bevölkerungsschichten hoch, die Sozialfürsorge umfassend. Jeder Australier ist in aller Bescheidenheit ein kleiner König. Warum also nicht an dem bewährten System festhalten? – Weil in einem Lande, dessen Bewohner fast durchweg materiell saturiert sind, der Impuls zum aktiven Sozialismus fehlt! Und an diesem Mangel an Armut ist der australische Sozialismus wahrscheinlich zugrunde gegangen.

Es hat sich nämlich in Australien herausgestellt, daß die menschliche Oppositionssucht sich dann, wenn materiell bevorzugte Gegner fehlen, gegen den nächst-schlimmen Unterdrücker wendet, in diesem Falle gegen den Staat, selbst wenn dieser sozialistisch ist. Aus Unzufriedenheit mit den Bevormundungen der Bürokratie, mit den staatlichen Kontrollen und Kontingentierungen, mit der Zwangswirtschaft und der Reglementierung des Individuums hat Australien die Sozialisten nach Hause geschickt und die Konservativen an die Macht gerufen.

So findet der Vorsitzende der Liberalen Partei und neue Premier, Robert Gordon Menzies, Sohn einfacher Eltern und doch der bestangezogene Mann des Commonwealth nach Antony Eden, das Problem vor, durch Lockerung des staatlichen Zwanges und Förderung des Unternehmertums die Unzufriedenheit zu bannen und dabei die sozialen Errungenschaften seiner sozialistischen Amtsvorgänger doch nicht preiszugeben. Er hat dies mit feinem Gefühl für die psychologische Lage schon vor der Wahl versprochen, und darüber hinaus das Verbot der kommunistischen Partei, die Einstellung der Verstaatlichung – insbesondere der Banken –, Weiterführung der Einwanderungspolitik und Intensivierung der Beziehungen zum Empire und zu den USA.

Freilich dieser letzte Programmpunkt ist es, der den englischen Konservativen nicht gefällt: Die Niederlage der Sozialisten in Neuseeland und Australien bringt diese beiden Dominien den Vereinigten Staaten um vieles näher. Dafür, daß aus der amerikanischen Annäherung nicht eine Entfremdung zum sozialistischen Mutterlande werde, müssen nun Churchill und seine Anhänger bei den kommenden Parlamentswahlen selber sorgen. C. D.