"Meine Frau ist gefallen", sagte es. – "Wieso und wo?"

"In Berlin", sagte es. "Sie ist unter den Bomben geblieben."

Darauf kam eine lange Pause, der kleine Mann hielt die Hände in den Manteltaschen, weil er außerordentlich fror, während es mir sehr heiß geworden war unter der zerrissenen Pelzkombination, so daß ich den Reißverschluß mehr und mehr öffnete. Seine Verlegenheit – dies fiel mir auf – war erstaunlich gering, als er erzählte, daß er sich zur "Truppenbetreuung" gemeldet habe. Er könne in Berlin nicht leben, nicht unter Trümmern, nicht allein. Er habe "etwas tun" wollen. Da gäbe es, sagte er, nun eine Abteilung "Freizeitgestaltung". Dort habe man ihm – nein: keine Fahrkarte, sondern einen "Marschbefehl" gegeben, und er sei ostwärts gefahren, immer ostwärts, solange die auf östliche Spurbreite umgenagelten Schienen reichten, und wo er erschienen war, da hatten die Soldaten laut gelacht, schallend gedacht, und er war weitergezogen – ostwärts, ostwärts – zuletzt auf Lastkraftwagen und Pferdekarren und dann zu Fuß. Er ganz allein mit seinem Samtkragenmäntelchen und seinem Kofferchen und seinem steifen Hut. Und zuletzt war er, der kleine, rund sechzigjährige Mann, in den vordersten Graben gekommen mit seinem "Marschbefehl" und seinem Auftrag, die Freizeit zu gestalten. Er hatte den Hut gelüpft und gesagt, nun sei er da.

"Mann Gottes, wer sind Sie überhäuft?" hatte der Major gebrüllt, der Mann mit dem Stecken: "Wo hat man Sie denn eingefangen?"

"Ich bin Bastellehrer und soll hier einen Kurs im Basteln geben", hatte der andere erwidert und mit gequälter Munterkeit etwas von "Freizeitgestaltung" gemurmelt und wie schön dies sei an langen Winterabenden und zur Weihnachtszeit. Der Mann mit dem Knotenstock aber, nachdem er ihm aus der Hinterflasche einen Kognak verabreicht, hatte ihn in den Bunker führen lassen, wo er nun auf der Kiste saß, frierend, traurig, überflüssig, "fern der Heimat".

"Und wie sind Sie hierher gekommen?" fragte er mit Takt.

"Vom Himmel hoch ..", erwiderte ich und – schwieg beschämt. Man durfte – so fühlte ich – mit frommen Liedanfängen ja nicht spotten zur Bastelzeit, zur Weihnachtszeit. Man durfte es wenigstens nicht vor diesem Männlein mit dem steifen Hut, obwohl er aus der Stadt Berlin kam, wo die Menschen gewisse leuchtende Luftgebilde, die in den Nächten über ihren Dächern schwebten, selbst zur Weihnachtszeit sie anders als mit dem frommen Namen "Christbäume" nannten ...