Frankreichs Außenminister hat unserem. Redaktionsmitglied Ernst Friedlaender ein Interview gewährt, in dem er zur Frage der deutsch-französischen Verständigung Stellung nimmt. Robert Schuman hat hier mit dem ihm eigenen Mut zur Weisheit die Initiative aufgenommen, die seinerzeit Bundeskanzler Dr. Adenauer – gleichfalls in einem Gespräch mit der „Zeit“ – ergriffen hatte.

Die Zeit: Welche Bedeutung messen Sie, Herr Minister, der Initiative des Bundeskanzlers zu einer deutsch -französischen Verständigung zu?

Außenminister Schuman: Die Bedeutung dieser Initiative liegt darin, daß sie von deutscher Seite ausgegangen ist, und zwar von der höchsten verantwortlichen Stelle des neuen Deutschland. Hierdurch hat Herr Bundeskanzler Adenauer der Sache Europas und des Friedens einen unleugbaren Dienst er wiesen.

Die Zeit: Sind Sie der Ansicht, daß die französische öffentliche Meinung die Initiative des Bundeskanzlers günstig aufgenommen hat?

Außenminister Schuman: Die Aufnahme war in Frankreich über alles Erwarten günstig. Wir sehen von der wilden kommunistischen Gegnerschaft ab. Es verbleibt wohl manchmal ein noch nicht überwundenes Mißtrauen. Nach all dem Geschehen ist ein solches Zögern durchaus erklärlich. Diejenigen, die sich der Idee grundsätzlich verschließen, stellen nur eine sehr schwache Minderheit dar.

Die Zeit: Wie sind, Ihrer Meinung nach, die französischen Sicherheitsforderungen mit den lebenswichtigen Interessen Deutschlands zu vereinigen?

Außenminister Schuman Das französische Sicherheitsbedürfnis, dessen Berechtigung der Herr Bundeskanzler in dankenswerter Weise anerkannt hat, steht mit den Interessen eines friedlichen Deutschland keineswegs in Widersprach. Auch andere Staaten erheben die gleiche Forderung.