Die nicht geringen Sorgen der westdeutschen Hartfaserindustrie bildeten das Hauptthema der Tagung des Fachverbandes der Hartfaserindustrie, die der in Wiesbaden ansässige Verband an Bord des Hamburger Hotelschiffes „Daressalam“ abhielt. Zu den Mitgliedern des Verbandes gehören die Hartfaserspinnereien Westdeutschlands, die nicht nur das für die Landwirtschaft so wichtige Sisalbindegarn herstellen, sondern auch aus der philippinischen Manilafaser Tauwerk für die Schiffahrt und Netzwerk für die Hochseefischerei produzieren.

Durch den Verlust der deutschen Ostgebiete, den mangelhaften Handel mit der sowjetischen Zone und die nur bescheidenen Anfangserfolge im Export wurde in diesem Industriezweig eine ausgesprochene Überkapazität entwickelt, wie Dipl.-Ing. Hans Paul, Bremen, der Vorsitzende des Verbandes, sehr überzeugend nachwies. Leider aber ist es in Westdeutschland bisher nicht enmal gelungen, die notwendige Versorgung der Hartfaserindustrie mit Rohstoffen sicherzustellen, und man fürchtet, daß infolge der langen Transportdauer von Sisal und Manilafaser der Anschluß zur nächsten Ernte nicht erreicht werden kann. Zur letzten Ernte wurden 24 000 t Sial zu Erntebindegarn verarbeitet. Für das nächste Jahr rechnet man mit einem Bedarf von 30 000 t. Zur schnellsten Beschaffung dieser Menge müßen umgehend die erforderlichen Devisen zugeteilt werden. Das gilt ebenfalls für die Manilafaser, die wieder zur Mangelware geworden ist, nachdem einst die JEIA unbekümmert erhebliche Mengen zu erheblichen Preisen eingekauft hatte. Um die überhöhten Preise im Sterlingblock zu vermeiden, möchte man gegen Dollar einkaufen.

Ausführungen über die Probleme der deutschen Textil-Ein- und Ausfuhr, die der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Gesamttextil, Dr. Staratzke, machte, gaben der Tagung über den engen Kreis der Hartfaserindustrie hinaus einen allgemein gültigen Rahmen. Hauptpunkt seiner sehr instruktiven Rede war die Forderung, daß die Liberalisierung nicht auf Kosten Westdeutschlands erprobt werden sollte, und ferner die Feststellung daß die bei uns gebräuchliche Beimischung von 30 bis 40 v. H. Kunstfasern dem Textilexpot kaum förderlich sei, weil das Ausland nur Beimischungen von rund 10 v. H. kennt. we.