Am 27. Dezember wird eine neue Republik von 1,5 Millionen Quadratkilometern, mit 70 Millionen Einwohnern und bestehend aus Tausenden tropischer Inseln zu den freien Nationen der Welt treten: die Republik Indonesia, Sarikat, die Vereinigten Staaten von Indonesien. Alle Vorbereitungen sind sorgsam und pünktlich getroffen. Das Abkommen der round-table-Konferenz in Den Haag, in dem im November Holland die Souveränität über Indonesien bedingungslos auf den jungen Bundesstaat übertrug, ist von beiden Partnern ratifiziert worden und die UNO gab ihren Segen; in Indonesien wurde ein Präsident gewählt, ein Kabinett gebildet und eine provisorische Verfassung unterzeichnet.

Die Indonesische Föderation umfaßt fast das gesamte Gebiet von Insulinde; nur Neuguinea verbleibt durch ein Sonderstatut zunächst für ein weiteres Jahr unter holländischer Oberhoheit. Die gesetzgebende Gewalt wird von einem Repräsentantenhaus, in dem 150 Abgeordnete sitzen, und einem Senat, der die 16 einzelnen Mitgliedstaaten vertritt, ausgeübt. Der beherrschende Einfluß wird in beiden Kammern bei der Republik Djokjakarta liegen, die vier Jahre lang den Kampf gegen die Holländer führte. Ein Drittel der Parlamentssitze ist für sie reserviert. Doch Djokjakartas Vormachtstellung wird noch an manchem anderen deutlich. Sein Präsident, Dr. Soekarno, wurde erster Staatschef des Vereinigten Indonesiens, sein Ministerpräsident, Dr. Hatta, erster Premier der Republik und auch seine weiß-rote Flagge und seine Hymne „Indonesia raya“ gelten fortan für die ganze Nation. In den bis zuletzt unter holländischem. Einfluß stehenden Ostjava, Westjava und auf der Insel Madura macht sich bereits die Tendenz bemerkbar, die einzelnen Staaten aufzulösen und der Republik von Djokjakarta anzugliedern. Es scheint, als ob der neue Staat doch nicht ganz so föderal sein wird, wie es auf dem Papier steht.

Nicht endgültig geklärt sind die Beziehungen Indonesiens zu Holland. Das Haager Abkommen sieht eine „organisierte Zusammenarbeit“ zwischen den beiden Staaten vor, die „in einer Union, zusammengefaßt. sind“ und „an deren Spitze die Königin Juliane und weiterhin ihre gesetzlichen Nachfolger in der Krone stehen“. gesträubt, sondern auch bereits darauf hingewiesen, daß beispielsweise die Union der fünf westeuropäischen Länder kein gemeinsames Oberhaupt habe.

Kein Wunder, daß man in Holland der weiteren Entwicklung mit Sorge entgegensieht. Diese Befürchtungen werden noch verstärkt, da bekannt ist, daß die Vereinigten Staaten seit jeher die absoluten Unabhängigkeitsbestrebungen Indonesiens gefördert haben. Das State Departement ist der Ansicht, daß ein nichtkommunistisches, selbständiges Indonesien ein besseres Bollwerk gegen das Rote China abgeben wird als ein unter holländischem Einfluß stehendes Insulinde. Das weiß auch Moskau, und es versucht Washington das Wasser abzugraben. Vor der UNO führten die Vertreter des Kreml bereits scharfe Angriffe gegen die noch ungeborene Republik; die Sowjetunion bereitet augenscheinlich den Boden vor für ein Veto gegen den im Frühjahr 1950 zu erwartenden Antrag der „Vereinigten Staaten von Indonesien“, in die UNO aufgenommen zu werden, So ist die Nation schon in den gefährlichen West-östlichen Strudel geraten, bevor sie: noch offiziell die Bühne der Weltpolitik betreten hat. Kein guter Start für einen jungen Staat. –i.