Heute hat im Südpolargebiet die Walfang-Saison 1949/50 ihren Anfang genommen, Walkochereien aus Norwegen, Großbritannien, Japan, den Niederlanden und der UdSSR sind mit den Landstationen Argentiniens und Chiles zur Jagd nach dem Wal gestartet, deren einträgliches Ziel der Abschuß und die Verwertung von 16 000 Blauwaleinheiten bis zum 7. April 1950 ist.

Deutschland, das den Walfang schon im Jahre 1643 durch eigene Flotten betrieben hatte, ist von dieser Saison noch ausgeschlossen, da es bisher an geeigneten Schiffen für ein Walfang-Mutterschiff und Fangboote mangelt. In den letzten Wochen hatten sich daher verschiedene deutsche Blätter (siehe „Die Zeit“ vom 10. November) mit den Möglichkeiten beschäftigt, zur nächsten Walfangsaison wieder eine deutsche Walfangflotte auszurüsten. Es wurden konkrete Pläne in der Frage der Finanzierung genannt und angedeutet, daß mit der Unterstützung einsichtiger ausländischer Kreise sehr zu rechnen sei. Daß für Westdeutschland die Beteiligung am Walfang von eminenter Bedeutung ist, erklärt sich allein schon aus der Tatsache, daß ein Wal von 100 t das Gewicht von 150 Ochsen und als Fettlieferant die gleiche Bedeutung wie eine stattliche Herde von 350 Kühen hat!

Bisher war die Teilnahme Deutschlands am Walfang dadurch unmöglich gemacht worden, daß die Siegerstaaten uns die Walfangflotte, soweit sie nicht während des Krieges gesunken war, nach dem Kriege abnahmen und Neubauten durch die einschränkenden Bestimmungen des „Potsdamer Abkommens“ unmöglich gemacht wurden. Diese Beschränkungen sind nun gefallen. Und man sollte meinen, daß Westdeutschland zur nächsten Saison wieder mit von der Partie ist, um für seine Fetteinfuhren die Devisen zu sparen.

Doch da hat kürzlich Sir Brian Robertson auf dem Petersberg seine warnende Stimme erhoben und bedauernd erklärt, daß Deutschland auch jetzt noch nicht zum Walfang zugelassen werden könne, alldieweilen es leider am Washingtoner Abkommen von 1946 unbeteiligt sei. Sir Brian wird es nicht überraschen, daß uns diese Darstellung erheblich überrascht hat. Man möchte fast sagen: Vor Tische las man’s anders...

Doch wir glauben, daß die Erklärung von Sir Brian im Grunde nichts gegen Westdeutschlands Walfang sagen will, da doch das Washingtoner Walfangabkommen ausdrücklich jede Diskriminierung einer Nation oder die Beschränkung des Fangmaterials untersagt. Unter Berücksichtigung seiner britischen Denkungsweise werden wir Sir Brian gewiß recht verstanden haben, wenn wir seine Erklärung als eine dringende Einladung an die Bundesregiermg auslegen, tun aber schleunigst sich um die Aufnahme in die Internationale Walfangkonvention zu bemühen.

Willy Wenzke