Ihr, meine Lieben, seid dieses Unfugs enthoben. Ench garantiert die Testzahl jedes Glück, das denkbar ist. – Nur manchmal wird Euch das Benehmen unserer E-Test-Obrigkeit als hart erscheinen, wenn sie Rückfällige, die plötzlich die E-Test-Ordnung durch persönliche Narreteien (die man früher „Leidenschaften“ nannte) zu recht, versuchen, hart anfaßt. Ist es nicht gerecht, solche Geisteskranken in unbemannte Welt-Sternenraum einzulöten und in den unbewohnten Sternenraum hinauszuschießen? Sollen sie sehen, wo sie bleiben – sie die vom „Ozean der Gefühle“ faseln, wie sie und aus schlechten Biebern von früher aufgefischt und natürlich völlig falsch verstanden haben.

Meine Lieben, ich bewundere, wenn ich Euch so ansehe, die Exaktheit der Forschung, die Euch leitet. Darf ich sagen, daß die Fernsteuerung Eurer Gemüter mir Hochachtung abnötigt? Laßt Euch nicht irremachen durch Banditen und Rebellen, die Euch weismachen wollen, man könne, was die Liebe betrifft, auch außerhalb der für Euch ermittelten Testtahlen „wildern“. Das Ergebnis ist nichts als Zeitverschwendung. Und sie ist bekanntlich mit Recht als die schrecklichste Sünde gebrandmarkt worden.

Laßt Euch nicht einreden, der Mond habe etwas mit der Liebe zu tun (Ihr wißt genau, wie es auf dem Mond aussieht), und das Herz der Mädchen müsse schneller gehen, wenn sie den „Geliebten“ (so schreckliche Worte hatten sie früher für das E-Test-Komplement) kommen sehen. Laßt Euch nicht einreden, daß das Berühren der Hände oder der Haut dabei eine Rolle spiele. Es ist alles Unsinn. Es gibt nur eine Wahrheit und das ist die Formel.

Und noch eins: Was die Fortpflanzung betrifft, so wißt Ihr, daß sie durch Röhrchen und Retorten im Laboratorium erfolgt. In alten Schriften glaubten die Menschen, daß der Klapperstorch – welch lächerliches Bild! – die Kinder brachte oder daß sie vermittels Liebe in den bakterienstrotzenden Betten der Vergangenheit irgendwie zuwege gebracht worden wären. Wie töricht die Menschen waren, werdet Ihr wiederum mit Recht sagen – meine Lieben! Als ob im Dunkeln der unhygienischen Betten etwas Wesentliches für den Fortschritt der Menschheit je hätte getan werden können! Ich bewundere den in Euch hochgezüchteten Instinkt für Hygiene, meine Lieben. Auch die später erfundenen Diwane stehen, was die Vorsichtflutlichkeit des Rituals betraf, den Betten nicht wesentlich nach.

So schließe ich denn, meine Lieben, und grüße Euch

als Euer stets von neuem staunender

Vorfahre N.

PS.: Nur Euch beiden gesagt, meine Lieben, die bewußte „Zeitverschwendung“, wie Ihr es nennt, war reizend, und ich möchte sie um nichts in der Welt in meinen Erinnerungen missen. Auch fand ich stets Betten und Diwane keineswegs so unhygienisch, wie sie Buch erscheinen. Auch ist nicht alles wahr, was sie Euch über die „Funktion der Haut“ erzählen. Versucht es einmal mit einem Streicheln. Aber tut es insgeheim. Da liegen Atomkräfte auf der Lauer, meine lieben, von denen Ihr nichts ahnt. Aber ich mache Euch ja unglücklich, denn ich will Euch verleiten, außerhalb der Norm zu tanzen. Das aber führt zu nichts!