Als ich nach Hause kam, brannte Licht in meinem Zimmer und in dem Sessel am Fenster saß eine mir völlig fremde, weibliche Person. Fassungslos starrte ich sie an, denn die Tür war verschlossen gewesen, und ich konnte mir nicht erklären, wie die Person hereingekommen war.

„Sie wundern sich natürlich!“ sagte sie. „Das ist durchaus verständlich! Ich habe bisher noch keinen Menschen getroffen, der nicht erstaunt gewesen wäre, mich zu sehen.“ – Diese Erklärung war nicht ganz frei von einer selbstgefälligen Eitelkeit, die aber eher unschuldig-naiv wirkte, denn aufreizend. „Es interessiert Sie, wie ich hereingekommen bin?“ fuhr sie eifrig fort, als könne sie Gedanken lesen. „Damit Sie sich nicht der unnötigen Mühe unterziehen müssen, Ihr Türschloß ändern zu lassen: ich bin nicht durch die Tür gekommen!“

„Nicht durch die Tür?“ wiederholte ich.

„Wissen Sie, ich bin nie gern Treppen gestiegen“, sagte sie mit Glöckchenstimme, „es hat mich immer so angestrengt. Und nun, wo ich es nicht mehr nötig habe vier Treppen steigen zu müssen ... das ist doch begreiflich, nicht wahr?“

„Durchaus!“ pflichtete ich ihr bei, obwohl ich gar nichts begriff.

„Ich bin durchs Fenster gekommen!“ erklärte sie schlicht.

Plötzlich war mir klar, daß ich eine Wahnsinnige vor mir hatte. Ich durfte sie also nicht reizen. Am besten war, auf alles einzugehen. Ich überlegte, wie ich die Person möglichst schnell wieder loswerden konnte.