J. B., Wien, Ende Dezember

Die Ostblockstaaten haben auf die Abwertungswelle mit stolzen und heftigen Reden geantwortet („so etwas haben wir nicht notwendig“); in Wirklichkeit haben sie ihre regulierten Exportpreise augenblicklich den neuen Wettbewerbsbedingungen angepaßt. Das heißt: sie haben eine De-facto-Abwertung den anderen Währungen gegenüber nach Notwendigkeit und in zweckentsprechender Vielfältigkeit auf dem Weg über die Preise vollzogen.

Dabei ist der „Weltmarkt“ des Ostblocks nun in drei Abschnitte zerfallen.

A) Der Ostblock; Rußland und die Satelliten bilden ihren Sonderbereich. Die Handelsverknüpfungen innerhalb dieses Gebietes werden verstärkt.

B) Gegenüber den Hartwährungsländern hat sich die Währungsrelation nicht geändert; aber sie ist auch fiktiv geblieben, wie sie immer fiktiv war. Die Währungsproportionen haben nur bedingten Abrechnungswert. Wesentlich ist, daß auf diesen Märkten die Konkurrenz der Abwerter nun billiger arbeitet, also, daß auch der Osten billiger’sein muß.

C) Die Einfuhren aus Abwertungsländern sind, über die Kurse gerechnet, billiger geworden; aber man verlangt auch hier entsprechend billigere Gegeneinfuhren. Wieder vollzieht sich über die Preise die Anpassung an das Angebot von Konkurrenten. Die Oststaaten pflegen nicht mehr Außenhandel im üblichen Sinne, nicht freien Warenaustausch mit einer Arbeitsteilung im großen Raum der ganzen Welt als letztem Ziel. Gegeben sind gewisse Einfuhrnotwendigkeiten. Diese müssen durch Ausfuhren bezahlt werden. Der Notwendigkeitsgrad bestimmt den Preis ohne Rücksicht auf die Kosten. Dabei ist der Satellit oft nur Handlanger im Auftrage Moskaus. Die groß-sowjetische Handels- und Zahlungsbilanz ist der Maßstab. Ein Beispiel:

Eine der großen Prager Außenhandelsfirmen bietet in Schweden Popeline an; es kommt zu keinem Geschäft, weil der Preis zu hoch ist. Prag erhält die Auflage, die Ware nach Moskau zu liefern. Nach einigen Wochen tauchen die Popeline doch am schwedischen Markt auf, zwanzig Prozent billiger als sie Prag direkt liefern wollte und sogar etwas unter dem Preis, den Moskau von dem tschechoslowakischen Büro verlangt hatte.